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Deportiert nach Mauthausen, Band 2
Seite - 452 -
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452 | Regina Fritz Dennoch verfügten viele jüdische Häftlinge aus Ungarn über eine besondere Form sozialer Netzwerke. Auffällig ist, dass zahlreiche ungarische Überlebende darüber be- richten, zusammen mit Familienmitgliedern, Verwandten oder Freunden in Mauthau- sen eingetroffen zu sein oder sie im Lager wiedergefunden zu haben. Dies resultierte aus dem Umstand, dass die jüdische Bevölkerung einzelner Dörfer und Städte zusammen deportiert worden waren. So gibt beispielsweise György Zilczer in seinem DEGOB- Protokoll regelmäßig Auskunft darüber, wie viele Personen aus seiner Heimat stadt Ba- lassagyarmat auf den verschiedenen Stationen seines Leidenswegs noch bei ihm waren. Auch die Arbeitsdienstkompanien, die am «Südostwall» Zwangsarbeit geleistet hat- ten, wurden gesammelt nach Mauthausen evakuiert. Hinzu kam, dass Mauthausen in der Endphase des Krieges zu einer Sammelstelle für Häftlinge  – und dabei vor allem auch für ungarische Jüdinnen und Juden  – aus zahlreichen nationalsozialistischen Konzentrations- und Arbeitslagern wurde. Mehrere Überlebende schildern entspre- chende Wiederbegegnungen. Gábor Bán traf bereits während des Todesmarsches nach Mauthausen im Steinbruch von Sankt Margarethen auf seinen Bruder : «Es gab sehr viele Arbeitsdienstleistende dort, oder Deportierte, die man ja aus der Umge- bung von Sopron im Laufe der Nacht dorthin gebracht hatte, und man musste halt langsam aufbrechen. Und als wir so hinausgingen, also hinaus aus dem Steinbruch, fragte uns jemand, er schrie hinüber : ‹Wo kommt ihr her ?› Ich sagte nun spaßhalber : ‹Ich persönlich aus Vecsés›, ich wusste ja, er fragte nicht danach, er wollte wissen, ob aus Fertőrákos oder von da oder dort, darauf sagte der Betreffende, äh : ‹Wir haben hier auch einen aus Vecsés.› Ich fragte, wer es sei, daraufhin sagte er, der Gyuri Weiß. Nun, wir hießen früher Weiß, dieser andere war der Lipót, mein Bruder. Das war eine riesige Sache, aber ich wurde fast verrückt, weil, wie kann ich ihn finden, wir waren an die zehntausend, und ich wusste, er ist dort irgendwo. […] Und dann begann ich hin und her zu rennen in diesem unglücklichen Steinbruch, nach 10–15 Minuten fand ich meinen Bruder […] er saß auf einem Steinhaufen, also ich weiß nicht, das war vielleicht das größte Erlebnis meines Lebens.»73 Für Gábor Bán bedeutete das Wiedersehen mit seinem Bruder eine massive Verbesse- rung seiner Lage. So half ihm sein Bruder neue Schuhe zu beschaffen und kümmerte sich um ihn, als er in Gunskirchen an Typhus erkrankte. Resümee «Mauthausen ist keine Ausnahme, es war auch nicht das schlimmste Lager, nur die dort angekommenen großen Massen haben es berüchtigt gemacht», resümierte das DEGOB in einem Bericht, den es auf der Basis der Protokolle Ende 1945 erstellte, die es 73 AMM, MSDP, OH/ZP1/162, Interview Bán. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Band 2
Titel
Deportiert nach Mauthausen
Band
2
Autoren
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Herausgeber
Melanie Dejnega
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Abmessungen
16.8 x 23.7 cm
Seiten
716
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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