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Deportiert nach Mauthausen, Band 2
Seite - 453 -
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453«Dieser Weg war vielleicht mein furchtbarstes Erlebnis.» | mit Überlebenden des KZ Mauthausen aufgenommen hatte.74 Tatsächlich verdoppelte sich die Zahl der KZ-Häftlinge im Gesamtkomplex im letzten Jahr seines Bestehens und stieg von 37.000 zu Ende April 1944 auf etwa 86.000 im März 1945.75 Gleichzeitig starben in den letzten Monaten vor Kriegsende, zwischen Winter 1944/45 und der Befreiung in Mai 1945, fast 45.000 Häftlinge, unter anderem als Folge der massiven Unterernährung, an Krankheiten und den harten Arbeitsbedingungen in den unterir- dischen Rüstungsfabriken.76 So wird in den Erinnerungen jener Gruppe ungarischer Überlebender, die als pri- vilegierte Gefangene im Frühjahr 1944 im Stammlager Mauthausen eintrafen und in manchen Fällen nach einigen Monaten wieder entlassen wurden, ein völlig anderes Bild von Mauthausen gezeichnet als in jenen Erzählungen, die sich auf den Lagerkom- plex in seiner überfüllten Spätphase beziehen. «Das furchtbare Leiden, das Verhun- gern dezimierte sie», erinnert sich Ferenczi in seinem Interview an die Ankunft der ungarisch-jüdischen Deportierten im Frühjahr 1945. Das relativ späte Eintreffen der ungarischen Juden in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern begünstigte ihr Überleben und erschwerte es zugleich. Die Schnelligkeit, mit der die Verfolgungsmaßnahmen in Ungarn umgesetzt wurden, traf viele unvorbereitet. Obwohl viele Juden durch das Hören ausländischer Sender oder durch Berichte geflüchteter, oft polnischer Juden über antijüdische Vorgänge in ande- ren Staaten informiert waren, schenkte ein großer Teil der assimilierten ungarischen Juden ausländischen Berichten über die Judenvernichtung nur begrenzt Glauben oder vertraute auf den Schutz der autoritär-konservativen Regierung, die sie bis 1944 vor einer Deportation weitgehend geschützt hatte. Obwohl viele ungarische Deportierte anfangs in einer besseren körperlichen Verfassung waren als jene Häftlinge, die bereits mehrere Jahre der Entbehrung in den Ghettos bzw. in den Konzentrationslagern erlebt hatten,77 verschlechterte sich ihr Zustand nach ihrer Ankunft in den Lagern rasant. Dies lag nicht zuletzt daran, dass sie nicht über jenes Wissen verfügten, welches das Überleben in der extremen Situation der Lager erleichtern konnte und das sich die Häftlinge erst über mehrere Monate der Haft aneignen konnten. Hinzu kam, dass sie zu einem Zeitpunkt in den Konzentrationslagern eintrafen, als sich viele Lager bereits in Auflösung befanden und sich die allgemeinen Lebensbedingungen aufgrund der Kriegslage bereits maßgeblich verschlechtert hatten. Zahlreichen Häftlingen aus Un- 74 Lagerquerschnitt (o. D., wahrscheinlich 1945 oder 1946), Magyar Zsidó Múzeum és Levéltár (Ungari- sches Jüdisches Museum und Archiv  – MZSML). 75 Maršálek, Geschichte, S. 157. 76 Verein für Gedenken und Geschichtsforschung in österreichischen KZ-Gedenkstätten (Hg.), Das Kon- zentrationslager Mauthausen 1938–1945, S. 233. Dies entsprach fast der Hälfte aller in Mauthausen um- gekommenen Häftlinge. 77 Eine Ausnahme stellen jene Männer dar, die in vielen Fällen bereits seit Jahren in der ungarischen Armee Arbeitsdienst leisten mussten. Vor allem jene, die an der Ostfront eingesetzt wurden, lebten unter katas- trophalen Bedingungen. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Band 2
Titel
Deportiert nach Mauthausen
Band
2
Autoren
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Herausgeber
Melanie Dejnega
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Abmessungen
16.8 x 23.7 cm
Seiten
716
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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