Seite - 457 - in Deportiert nach Mauthausen, Band 2
Bild der Seite - 457 -
Text der Seite - 457 -
Helga Amesberger und Brigitte Halbmayr
Der lange Weg
Weibliche Häftlinge im KZ-System Mauthausen
Einleitung
Das KZ Mauthausen galt und gilt als «klassisches» Männerlager
– und dies nicht unbe-
gründet, richten wir den Blick auf die Häftlingszahlen : Von den rund 190.000 Perso-
nen, die im KZ System Mauthausen (Stammlager und Außenlager) in den Jahren 1938
bis 1945 inhaftiert waren, waren Schätzungen zufolge rund 8500 Frauen, also lediglich
4,25
Prozent. In den über 40
Außenlagern waren nur in fünf Lagern Frauen zur Zwangs-
arbeit gefangen gehalten, teilweise in geringer Zahl.1 Mauthausen war von der SS als
Männerlager konzipiert, wie die späte Führung eines eigenen Frauenzugangsbuch (mit
eigener Nummernserie) ab dem 15. September 1944 zeigt. Zu diesem Zeitpunkt kamen
erstmals größere Frauentransporte in die Außenlager Hirtenberg und Lenzing. Erst ab
Ende Jänner 1945 wurden Frauen in größerer Zahl im Stammlager untergebracht, bis
dahin war dieses entweder ein Durchgangslager oder ein Hinrichtungsort für Frauen.
Mit Ausnahme der Sexzwangsarbeiterinnen beschränkt sich somit die Geschichte der
Frauen im Stammlager Mauthausen großteils auf die letzten Monate vor Kriegsende.
Die Erforschung der Geschichte weiblicher Häftlinge im Konzentrationslager
Mauthausen und seiner Außenlager ist noch ein sehr junges Forschungsgebiet. Zwar
war die Internierung auch von Frauen im Männerlager bekannt und es wird in allen
einschlägigen Büchern zum KZ Mauthausen auf sie verwiesen, dennoch wurde ih-
nen über Jahrzehnte nur äußerst geringe Aufmerksamkeit geschenkt. Die Publikation
von Andreas Baumgartner aus dem Jahr 1997 trägt daher zu Recht den Titel «Die
vergessenen Frauen von Mauthausen».2 Zwischenzeitlich sind einige Publikationen
erschienen, die sich ausführlicher weiblichen Häftlingen im KZ Mauthausen wid-
1 So z. B. im Schloss Mittersill insgesamt 16 Frauen, davon neun im Außenkommando Schloss Lannach ;
in St. Lambrecht 23 Frauen ; vgl. Andreas Baumgartner : Die vergessenen Frauen von Mauthausen. Die
weiblichen Häftlinge des Konzentrationslagers Mauthausen und ihre Geschichte, Wien 1997, S. 127–139
bzw. 221. Eine Neuauflage dieses Buches erfolgte 2006, die sich aber inhaltlich von der Erstausgabe nicht
unterscheidet.
2 Baumgartner, Die vergessenen Frauen. Die vermutlich erste Abhandlung über Frauen in Mauthausen
ist der in der Mauthausenforschung bislang kaum rezipierte Artikel des US-Offiziers und Soziologen
Herbert A. Bloch über die psychische Situation der weiblichen Häftlinge des Außenlagers Lenzing un-
mittelbar nach der Befreiung ; vgl. Herbert A. Bloch : The Personality of Inmates of Concentration Camps,
in : The American Journal of Sociology 52.4 (1947), S. 335–341.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
zurück zum
Buch Deportiert nach Mauthausen, Band 2"
Deportiert nach Mauthausen
Band 2
- Titel
- Deportiert nach Mauthausen
- Band
- 2
- Autoren
- Gerhard Botz
- Alexander Prenninger
- Regina Fritz
- Herausgeber
- Melanie Dejnega
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21216-4
- Abmessungen
- 16.8 x 23.7 cm
- Seiten
- 716
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen