Seite - 461 - in Deportiert nach Mauthausen, Band 2
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lange Weg |
vorwiegend die meist völlig unzureichende Versorgung mit Essen und Trinken wäh-
rend des Transports, die extreme Überfüllung, die fehlende Hygiene, die Ungewissheit
über das Ziel der Fahrt und die Angst vor der Zukunft erinnert.
Transporte von weiblichen Häftlingen nach Mauthausen
Die ersten Frauen in Mauthausen kamen zur Hinrichtung dorthin.9 Zu Hitlers Ge-
burtstag wurden am 20. April 1942 vier jugoslawische Partisaninnen am Erschießungs-
platz gegenüber Baracke 20 erschossen. Im Mauthausener Totenbuch ist am 24. Okto-
ber 1942 die Exekution von 133 Tschechinnen vermerkt.10 Hierbei handelte es sich
um Widerstandskämpferinnen, die in Zusammenhang mit dem Attentat auf Reinhard
Heydrich festgenommen worden waren. 15 Tschechinnen wurden am 26. Jänner
194311 und weitere sechs tschechische Frauen am 27. September 1944 vergast. 1945
sollen mindestens weitere 30 Frauen (Tschechinnen, Russinnen, Österreicherinnen
und Slowakinnen) in der Gaskammer von Mauthausen ermordet worden sein.12 Der
Großteil der hingerichteten Frauen erhielt keine Häftlingsnummer, sie sind lediglich
im Mauthausener Totenbuch angeführt.
Die ersten Frauen, für die eine längere Haftzeit in Mauthausen vorgesehen war, wa-
ren die Sexzwangsarbeiterinnen in den Häftlingsbordellen von Mauthausen und Gu-
sen.13 Die ersten von ihnen kamen im Juni 1942 von Ravensbrück nach Mauthausen.
Dies belegt eine Dienstliste vom 24. August 1942 für das Wachpersonal des KZ Ravens-
9 Vgl. im Folgenden : Baumgartner, Die vergessenen Frauen, S. 92–198 und darin die «Chronologie des
Frauenkonzentrationslagers Mauthausen», S. 215–218 ; Maršálek, Geschichte, S. 167–171.
10 Baumgartner spricht einmal von 133 Frauen, in der Fußnote 75 schreibt er jedoch, dass im Totenbuch
(AMM, Y/30) 135 exekutierte Frauen verzeichnet seien (133 vergast, zwei erschossen) ; vgl. Baumgartner,
Die vergessenen Frauen, S. 108. Maršálek spricht von 130 Tschechinnen, von denen 128 in der Gaskam-
mer und zwei per Genickschuss ermordet wurden ; vgl. Maršálek, Geschichte, S. 167.
11 Die Exekutionen wurden jedoch aus ungeklärten Gründen erst am 24. April 1943 im Totenbuch regist-
riert ; Baumgartner, Die vergessenen Frauen, S. 110.
12 Maršálek, Geschichte, S. 167. Baumgartner, Die vergessenen Frauen, S. 216–218, führt noch die Exe-
kutionen von jeweils einer russischen Zwangsarbeiterin am 28. 10. 1944 und am 29. 12. 1944 sowie die
Hinrichtung von zwei russischen Zwangsarbeiterinnen am 29. 12. 1944 an. Drei bzw. acht Tschechinnen
wurden am 19. 2. 1945 und 23. 3. 1945 in der Gaskammer ermordet, am 8. 4. 1945 waren es weitere 30
tschechische Frauen. Unbekannt ist die Zahl der weiblichen Häftlinge, die, aus dem Gestapolager Ober-
lanzendorf kommend, am 17. 4. 1945 in Mauthausen vergast wurden (insgesamt waren es rund 250
Män-
ner, Frauen und Kinder).
13 Zum Häftlingsbordell in Mauthausen und Gusen vergleiche : Helga Amesberger/Katrin Auer/Brigitte
Halbmayr : Sexualisierte Gewalt. Weibliche Erfahrungen in NS-Konzentrationslagern, Wien 22004, S. 125–
158 ; Baumgartner, Die vergessenen Frauen, S. 93–103 ; Brigitte Halbmayr : Arbeitskommando «Sonder-
bau». Zur Bedeutung und Funktion von Bordellen im KZ, in : Dachauer Hefte 21 (2005), S. 217–236 ; Ro-
bert Sommer : Das KZ-Bordell. Sexuelle Zwangsarbeit in nationalsozialistischen Konzentrationslagern,
Paderborn et al. 22010, S. 111–123.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen
Band 2
- Titel
- Deportiert nach Mauthausen
- Band
- 2
- Autoren
- Gerhard Botz
- Alexander Prenninger
- Regina Fritz
- Herausgeber
- Melanie Dejnega
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21216-4
- Abmessungen
- 16.8 x 23.7 cm
- Seiten
- 716
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen