Seite - 464 - in Deportiert nach Mauthausen, Band 2
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464 | Helga Amesberger und Brigitte Halbmayr
Zur ersten Gruppe gehörten mindestens 13Â
Frauen23Â
– alle zunächst in Lecco und dann
in Bergamo inhaftiert. Diese wurden am 17. März 194424 nach Mauthausen überstellt,
wo sie am 20. März 1944 eintrafen und fünf Tage später nach Auschwitz verfrachtet
wurden.25 Die zweite Gruppe von Frauen (mindestens 2626) wurde laut Tibaldi im Zuge
des Streiks in den Breda-Werken in Sesto San Giovanni und Ciravegna am 14. März
verhaftet ; die Frauen waren zunächst im San-Vittore-Gefängnis in Mailand, dann in
Bergamo eingesperrt.27 Als dritte Gruppe der Streikertransporte macht Tibaldi jenen
Transport vom 20. März 1944 aus, von dem er insgesamt 18 Frauen ausfindig machen
konnte. In diesem Transport befanden sich auch Männer (sie wurden – im Gegen-
satz zu den Frauen – in Mauthausen registriert).28 Folgt man Valota, wurden Frauen
aus der Gruppe zwei und drei gemeinsam am 5. April von Bergamo nach Mauthausen
deportiert, wo sie am 8. April ankamen. In Mauthausen waren die Italienerinnen im
Zellenbau untergebracht. Gegen Ende April wurden sie in kleineren Einheiten ĂĽber
Wien nach Auschwitz ĂĽberstellt.29
Schenkt man den Erfahrungsberichten Glauben, so sind zumindest manche dieser
Häftlingsfrauen nicht durchgängig mit dem Zug nach Mauthausen deportiert worden.
Maria Fugazza, am 13. März 1944 zunächst im San-Vittore-Gefängnis in Mailand und
dann in Bergamo inhaftiert, erzählt, dass sie die Strecke bis Wien in einem Viehwag-
gon transportiert wurden, von dort hätten sie den Weg bis Mauthausen zu Fuß zurück-
legen mĂĽssen. Die Beschwerlichkeit des Weges schildert sie folgendermaĂźen :30
VF : «Aber wissen Sie /. Wusstet ihr, was sich in Italien, in Europa abspielte ?»
MF : «Gut, davon hörte man, ja, in der Tat, als wir von hier weggefahren sind mit / von Ber-
gamo weg, sagten sie immer noch : ‹Die Partisanen kommen, um uns zu befreien, die Par-
(Ripensare il ’900). Wir danken Viviana Frenkel für ihre Unterstützung bei der Recherche der italieni-
schen weiblichen Häftlinge in Mauthausen. Siehe dazu auch den Beitrag von Doris Felsen und Viviana
Frenkel in diesem Band.
23 Tibaldi fĂĽhrt lediglich sechs Frauen an, Valota konnte sieben weitere Frauen eruieren.
24 Tibaldi datiert das Überstellungsdatum nach Mauthausen mit 16. März 1944.
25 Zwei Frauen aus dieser Gruppe wurden in andere Konzentrationslager gebracht, eine ins KZ FlossenbĂĽrg
und eine nach RavensbrĂĽck.
26 Valota nennt nur 18Â Frauen.
27 Darunter befand sich auch Maria Fugazza, die im MSDP-Interview jedoch den 13. März 1944 als Ver-
haftungsdatum angibt. Vgl. AMM, MSDP, OH/ZP1/007, Interview mit Maria Fugazza, Interviewerin :
Viviana Frenkel, Cinisello Balsamo, 5. 6. 2002.
28 Schriftverkehr Tibaldi – Baumgartner.
29 Maria Fugazza hat in Auschwitz die Häftlingsnummer 81.297 bekommen. Doc. No. 949310, 1.1.2.5, ITS
Digital Archive, Arolsen Archives. Vgl. Czech, Kalendarium, S. 763–768, wo die Vergabe dieser Nummer
nicht dokumentiert ist. Wahrscheinlich wurde sie zwischen dem 1. und dem 7. Mai 1944 vergeben.
30 Da nach Angaben von Maria Fugazza der Deportationszug ĂĽber den Brenner gefĂĽhrt wurde, scheinen
die ZugfĂĽhrung bis Wien und der FuĂźweg von dort nach Mauthausen sehr unwahrscheinlich (siehe
dagegen den Beitrag von Doris Felsen und Viviana Frenkel in diesem Band). Wahrscheinlicher wäre
demnach ein Fußmarsch von den Bahnhöfen in Linz oder St. Valentin nach Mauthausen.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen
Band 2
- Titel
- Deportiert nach Mauthausen
- Band
- 2
- Autoren
- Gerhard Botz
- Alexander Prenninger
- Regina Fritz
- Herausgeber
- Melanie Dejnega
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21216-4
- Abmessungen
- 16.8 x 23.7 cm
- Seiten
- 716
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen