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Deportiert nach Mauthausen, Band 2
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481Der lange Weg | auch politisch aktiv waren. Ansonsten prägten die Vertreibung aus der eigenen Woh- nung und das Zusammenpferchen in Sammelwohnungen, Ghettos und Sammellagern sowie die schlussendliche Deportation in ein Konzentrationslager deren Verfolgungs- wege. Die Politik der Nationalsozialisten, ein «judenfreies» Altreich zu schaffen, spie- gelt sich darin wider, dass alle Jüdinnen  – ausgenommen jene, die erst im Herbst 1944 deportiert wurden  – zuerst im Frauenlager Auschwitz-Birkenau inhaftiert waren. Selbst jene Frauen, die als jüdische Widerstandskämpferinnen verfolgt wurden, kamen nach Birkenau. Hingegen war für die Mehrzahl der politischen Häftlinge Ravensbrück das erste Konzentrationslager. Bei den russischen und ukrainischen Zwangsarbeiterinnen dürfte, wie bei den Jüdinnen, der Zeitpunkt der Deportation für den Bestimmungsort der KZ-Haft ausschlaggebend gewesen sein, so legen die Inhaftierungsdaten nahe. Bis auf eine Ausnahme85 wurden alle russischen und ukrainischen Zwangsarbeiterinnen vor Oktober 1944 nach Auschwitz verschleppt, die danach Inhaftierten ins Frauen- konzentrationslager Ravensbrück.86 Lediglich zehn von 87 interviewten weiblichen Mauthausenhäftlingen kamen ohne Umweg über ein anderes Konzentrationslager di- rekt nach Mauthausen. Darunter befinden sich drei Ukrainerinnen, zwei Italienerin- nen, zwei Polinnen  – allesamt politisch Verfolgte  – und zwei ungarische Jüdinnen. Die Ukrainerinnen langten mit dem Transport aus Dnepropetrowsk am 5. Oktober 1943 in Mauthausen ein ; sie wurden zwölf Tage später nach Auschwitz-Birkenau überstellt. Zwei Polinnen, gefangen genommen im Zuge des Warschauer Aufstandes im Sommer 1944, kamen über das Sammellager Pruszków ins Konzentrationslager Mauthausen. Auf dem Todesmarsch aus Ungarn erreichten zwei Ungarinnen Mauthausen bzw. das Außenlager Gunskirchen. Die folgende schematische Darstellung (Abb. 2) illustriert nochmals, dass fast 60  Prozent der interviewten Frauen zuerst ins Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau (54 von 87) und ein gutes Viertel nach Ravensbrück (23 von 87) deportiert wurden. Diese nüchternen Zahlen sagen wenig über die unterschiedlichen Ausgangsposi- tionen, «Lebensbedingungen» und Überlebenschancen der Frauen aus. Für die nach Auschwitz deportierten Frauen, vorwiegend Jüdinnen, bestand gleich bei der Ankunft die Gefahr, für die Ermordung selektiert zu werden ; in vielen Fällen verloren sie durch diese Selektionen nahe Angehörige  – Geschwister, Eltern, Cousinen etc. Die Lebens- und Überlebensbedingungen waren in Auschwitz-Birkenau ungleich schwieriger als etwa in Ravensbrück oder auch in den Außenlagern von Flossenbürg und Mauthausen, wie andere Studien belegen.87 Ehemalige Mauthausenhäftlinge, die von Auschwitz- 85 Walentina Sechina wurde im September 1943 in Ravensbrück inhaftiert ; AMM, MSDP, OH/ZP1/253, Interview mit Walentina Romanowna Sechina, Interviewer : Kirill Wasilenko, Donezk, 13. 6. 2002. 86 Vgl. hierzu Abb. 1 : Der Verfolgungsgrund kann aus dieser Abbildung indirekt aus den Haftorten ge- schlossen werden. 87 Vgl. Helga Amesberger/Brigitte Halbmayr : Vom Leben und Überleben  – Wege nach Ravensbrück. Das Frauenkonzentrationslager in der Erinnerung. Bd. 1 : Dokumentation und Analyse, Wien 2001 ; Bern- hard Strebel : Das KZ Ravensbrück. Geschichte eines Lagerkomplexes, Paderborn et  al. 2003, S. 505–510. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Band 2
Titel
Deportiert nach Mauthausen
Band
2
Autoren
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Herausgeber
Melanie Dejnega
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Abmessungen
16.8 x 23.7 cm
Seiten
716
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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