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Deportiert nach Mauthausen, Band 2
Seite - 488 -
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488 | Helga Amesberger und Brigitte Halbmayr So beschreibt Ljubica Šarolić den Evakuierungsmarsch von Auschwitz in Richtung Mauthausen. Auf die Todesmärsche von Ungarn bzw. von der ungarisch-österreichi- schen Grenze nach Mauthausen bzw. Gunskirchen mit ihren zahlreichen Todesopfern wurde weiter oben schon eingegangen. Die weiblichen Häftlinge im Außenlager Hir- tenberg wurden am Ostermontag, dem 2. April 1945, auf den Evakuierungsmarsch ins Stammlager getrieben. Über diesen 170  Kilometer langen Marsch gibt es bislang wenige Informationen.100 Durch die MSDP-Interviews kann zwar nicht die Route re- konstruiert werden, aber sie geben Auskunft über die Bedingungen während des rund 14-tägigen Marsches. Übereinstimmend berichten die interviewten «Hirtenberge- rinnen», dass sie kaum etwas zu essen bekamen, Häftlinge anstelle von Ochsen oder Pferden die Karren ziehen mussten, die Nächte teilweise im Freien, teils in eilig re- quirierten Schuppen, Dachböden, Viehställen verbracht werden mussten. Sie erzählen auch von der Flucht von Russinnen (und eigenen Überlegungen zu fliehen), davon, dass wiederum andere bei Fluchtversuchen oder aufgrund von Erschöpfung erschos- sen wurden. Und Slava Primozic resümiert : «Ich habe keine Ahnung, keine Ahnung, keine Ahnung, wie wir das überstanden haben, ich weiß nicht.»101 Von den 400 auf den Evakuierungsmarsch geschickten «Hirtenbergerinnen» erreichten 342 am 18./19. April 1945 das Stammlager, wo ein Teil der Frauen erneut Arbeitskommandos zugewiesen wurde. Der «lange Weg» nach Mauthausen ist in diesem Sinne mehrdeutig zu verstehen : Der Großteil der Frauen  – aus allen Teilen Europas kommend  – passierte Gefängnisse, Ghettos, Sammellager und verschiedene Konzentrationslager, bis sie im KZ Mauthau- sen eingeliefert wurden. Für viele war der Weg hier auch nicht zu Ende. Die räumliche Dimension ist eng gekoppelt mit der zeitlichen, und zwar im Hinblick auf «objektive Dauer und subjektive Gegenzeit».102 Entscheidende Faktoren dafür, wie die Transporte und Todesmärsche erlebt wurden und erinnert werden, sind die Dauer und Art der Überstellung, die Verpflegung und die hygienischen Bedingungen, der gesundheitli- che Zustand zu diesem Zeitpunkt und das Ziel des Transports. Ging dieser etwa zur Zwangsarbeit in Außenlager, konnte dies auch lebensrettend sein. Sie boten manchmal auch Gelegenheit zur Flucht. Die Verfrachtung Tausender von Häftlingen von einem Ort zum anderen kann daher auch als eine Exterritorialisierung des Lagers und da- mit des nationalsozialistischen Terrors verstanden werden. Der Raum verdichtete sich durch die Enge des Waggons, die absolute Einschränkung der Bewegungsfreiheit sowie durch seine Multifunktionalität. Der Waggon war mobiles Gefängnis, Aufenthalts- und Schlafraum, er war der Raum, in dem die Notdurft verrichtet werden musste, in dem Kinder geboren wurden und Menschen starben. Durch die Bewegung wuchs dieser Raum gleichzeitig ins Unendliche, es gab kein Außerhalb der Lagermauern mehr. In 100 Baumgartner, Die vergessenen Frauen, S. 144–148. 101 AMM, MSDP, OH/ZP1/517, Interview Primozic. 102 Sofsky, Ordnung des Terrors, S. 93. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Band 2
Titel
Deportiert nach Mauthausen
Band
2
Autoren
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Herausgeber
Melanie Dejnega
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Abmessungen
16.8 x 23.7 cm
Seiten
716
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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