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Deportiert nach Mauthausen, Band 2
Seite - 492 -
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492 | Kobi Kabalek geht, was jüdische Gruppenidentität für den Einzelnen bedeutet, kommt ein Histori- ker, der die Erfahrungen von Juden zum Thema macht, nicht umhin, seinen Untersu- chungsgegenstand klar zu definieren.2 In diesem Beitrag ist das umso mehr von Belang, als ja nicht alle Personen, die als Juden verfolgt wurden, sich als solche betrachteten. Um eine essenzialisierende Zuschreibung, die mit «jüdisch» eine objektiv messbare ethnische Kategorie meint, zu vermeiden, analysiere ich im Folgenden Zeugenberichte von Personen, die  – ungeachtet ihres Selbstverständnisses  – als Juden verfolgt wurden. Des Weiteren sieht man sich beim Versuch, über die Wege von Juden nach Maut- hausen zu schreiben, vor der Schwierigkeit, aus der Mannigfaltigkeit von Erfahrungen, die unter unterschiedlichen Bedingungen und von Menschen aus den verschiedensten Ländern gewonnen wurden, ein historisches Narrativ zu konstruieren. Es ist dies ein Problem, mit dem auch Saul Friedländer in seiner Studie «Die Jahre der Vernichtung»3 konfrontiert war. Friedländers umfassende geschichtliche Darstellung des Holocaust ist «integrativ und integriert» zugleich, nimmt also unterschiedliche, einem breiten Spektrum von Orten und Situationen entnommene Stimmen und Erfahrungen in sich auf. Das solcherart  – durch ständigen Perspektivenwechsel und die Betrachtung einer Vielzahl von Schauplätzen der Judenverfolgung  – hervorgebrachte Narrativ verzichtet auf den Anspruch, die Erfahrungen aller Juden zu beschreiben ; stattdessen vermittelt es eine Vorstellung sowohl von den allgemeinen als auch den besonderen Momenten dieser Erfahrungen.4 Meine Version einer «integrativen und integrierten» Geschichte in Bezug auf die Wege von und nach Mauthausen wendet sich vom sehr Persönlichen hin zum Allge- meinen  – durch Verflechtung von mündlicher Erzählung, schriftlichen Erinnerungen und diversen Studien zur antijüdischen Politik des «Dritten Reichs». Wenn ich mich auf mündliche Zeugnisse stütze, dann nicht, um ansonsten «trockenen» geschichts- wissenschaftlichen Analysen einen «lebendigen», «menschlichen» Anstrich zu geben. Durch das Changieren zwischen sehr persönlichen Eindrücken und wissenschaftli- chem Stil will ich vielmehr den Leser daran erinnern, dass eine Einzeldarstellung es niemals leisten kann, «die Vergangenheit» allumfassend einzufangen. Mittels wieder- pen» und «ethnische Identitäten» zu vergegenständlichen, siehe Rogers Brubaker : Ethnizität ohne Grup- pen, Hamburg 2007. 2 Kevin Pickus benennt die Probleme, die man sich mit dem Versuch, die jüdische Identität historischer Subjekte aus einem einzelnen Datensatz  – etwa den Mitgliederlisten jüdischer Organisationen  – abzu- lesen, einhandelt. Andere, eher individuelle Quellen wie Memoiren wiederum bergen die Schwierigkeit, dass sie fremde Erfahrungen auf zwar eindringliche, aber nicht unbedingt repräsentative Weise wieder- geben. Kevin H. Pickus : German Jewish Identity in the Kaiserreich. Observations and Methodological Considerations, in : Jewish History 9.2 (1995), S. 73–91. 3 Saul Friedländer : Die Jahre der Vernichtung. Das Dritte Reich und die Juden 1939–1945, München 2006. 4 Siehe dazu Friedländers Einleitung sowie insbesondere Friedländer, Die Jahre der Vernichtung, S. 14–15. Zu einer Diskussion des narrativen Aufbaus dieser integrativen und integrierten geschichtlichen Darstel- lung siehe Alon Confino : Narrative Form and Historical Sensation. On Saul Friedländer’s The Years of Extermination, in : History and Theory 48.3 (2009), S. 199–219. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Band 2
Titel
Deportiert nach Mauthausen
Band
2
Autoren
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Herausgeber
Melanie Dejnega
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Abmessungen
16.8 x 23.7 cm
Seiten
716
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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