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Deportiert nach Mauthausen, Band 2
Seite - 497 -
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497Die Wege von Juden nach Mauthausen | Da die vor 1944 nach Mauthausen deportierten jüdischen Häftlinge in den seltens- ten Fällen Berichte über ihre Erfahrungen dort hinterließen, ist diese frühe Phase kaum aus erster Hand dokumentiert. Die meisten kamen bald nach ihrer Ankunft ums Leben, einige wurden in andere Lager, etwa Auschwitz, überstellt und fanden dort den Tod. Der Großteil der Historikern vorliegenden Informationen über das Schicksal jü- discher Lagerinsassen jener Zeit stammt von Personen, die zwar Zeugen ihrer Depor- tation bzw. Ankunft waren, jedoch nicht selbst zu dieser Gruppe gehörten.17 Dieses Problem stellt sich grundsätzlich auch mit Blick auf die zweite große Gruppe der im Zeitraum 1941/42 nach Mauthausen verbrachten jüdischen Gefangenen, nämlich jener aus Böhmen und Mähren ; da diese aber anders als die holländischen Juden zumeist aus politischen Gründen interniert und Juden und Nichtjuden daher nicht getrennt untergebracht wurden, gibt es über das Schicksal dieser Gruppe tschechischen Juden mehrere Zeugenberichte nichtjüdischer Häftlinge.18 In anderen von den Deutschen besetzten Teilen Europas waren die Massendeportati- onen von Juden in die Vernichtungslager indessen bereits im Gange. Irena Liebman erinnert sich an den September 1942 und noch genauer an den Tag, an dem sie ihre Eltern zum letzten Mal sah : «[Es] fehlten ihnen noch achthundert Leute auf [die Vervollständigung der erforderlichen Quote von] 18.000. Und Mama sagte : ‹Vielleicht verstecken wir uns ?› Aber Papa meinte : ‹Wieso verstecken ? Wir sind jung, wir sehen gut aus.19 Geh du als Erste, Irenka, die Mama kommt nach, und ich geh als Dritter.› Wir gehen also das stille Stiegenhaus hinunter, es ist nichts zu hören als das Getrappel von Schuhen. Und wir stehen dort und hören Hunde und sehen Pferdewägen, auf die werden die Alten verladen und die Kinder. […] Ich gehe durch [die Kontrolle] und keiner hält mich auf, und ich schließe mich der Gruppe an, die im Hof steht. [Er ist] voller Leute, alle halten einander an den Händen. […] Und ich sage : ‹Gut, gleich 17 Einen solchen Zeugenbericht über das Schicksal der niederländischen Juden hat ein Holocaust-Überle- bender im Jahr 1955 vorgelegt : Mr. Joseph : Illegal Life in Holland, in : Wiener Library Archive (London), Testaments to the Holocaust, Series One, Section Two (Eyewitness Accounts), Reel  50, P. III. d. No. 476, S. 1–2. 18 Auch wenn in den Jahren 1941/42 bei den aus Böhmen und Mähren deportierten Personen noch nicht zwischen Juden und Nichtjuden unterschieden wurde, tschechische Gefangene folglich nicht in getrenn- ten Baracken untergebracht waren, behandelte die SS als Juden identifizierte Personen ungleich bruta- ler. Siehe Eckstein, Mauthauzn, S. 228–231. In einigen Fällen erfolgte die Verhaftung von Juden durch die Behörden des Protektorats Böhmen und Mähren im Rahmen von Vergeltungsmaßnahmen bzw. zur Einschüchterung. Von denen unter ihnen, die nach Mauthausen deportiert wurden, hat fast niemand überlebt. Siehe Livia Rothkirchen : Toldot ha-Shoah. Bohemia u-Moravyah [Geschichte des Holocaust. Böhmen und Mähren], Jerusalem 2008, S. 138–144, 176–177, 234 u. 238, sowie den Beitrag von Peter Hallama in diesem Band. 19 Dieser Bemerkung lag die Annahme zugrunde, dass von den Deportationen nur ältere Leute betroffen seien, die Jungen aber bleiben und im Ghetto arbeiten würden. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Band 2
Titel
Deportiert nach Mauthausen
Band
2
Autoren
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Herausgeber
Melanie Dejnega
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Abmessungen
16.8 x 23.7 cm
Seiten
716
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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