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Deportiert nach Mauthausen, Band 2
Seite - 499 -
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499Die Wege von Juden nach Mauthausen | seine Außenlager stammt aus der Zeit zwischen 1944 und 1945. Bis dahin waren die jüdischen Bevölkerungsgruppen europaweit von den Einsatzgruppen und anderen Tö- tungskommandos verübten Massenmorden zum Opfer gefallen oder in den im Rah- men der «Endlösung» errichteten Vernichtungslagern umgekommen.25 Wer den ers- ten Tötungswellen entgangen war, lebte verschiedentlich lang in Ghettos und diversen Zwangsarbeitslagern, so auch Irena Liebman und ihre Schwester, die sich noch im Mai 1944, als in Mauthausen bereits Massentransporte eintrafen, im Ghetto von Łódź auf- hielten. Schließlich wurden auch sie in einen Zug verfrachtet : «Es war der vorletzte Transport aus dem Ghetto von Łódź. Das war etwa Ende August ’44. Wir sind in die Waggons eingestiegen und das war furchtbar. Aber das war klar. Das war klar. Wir hatten gar nichts. […] Wir wurden in den überfüllten Waggon gezwängt und die Türen wurden verschlossen.» «Dann hielt der Zug plötzlich an. Und ich höre, wie jemand unter dem Boden unseres Wag- gons herumhantiert. Mir wurde klar, dass der die Gleise verstellt und wir auf ein Nebengleis verlegt werden. Da legte ich mich auf den Boden und rief dem Mann auf Polnisch zu : ‹Mein Herr, wohin bringt man uns ?› Und er sagte auf Polnisch : ‹Nach Auschwitz, nach Auschwitz. Nicht gut, nicht gut.› Und wir wussten nicht, was Auschwitz ist. Verstehen Sie ? Und die Züge blieben dann stehen, und die Türen gingen auf […].»26 Irena kam nach Auschwitz-Birkenau und teilte damit das Schicksal vieler, für die Auschwitz samt seinen Außenlagern eine Station auf dem Weg nach Mauthausen war. Und obwohl «Auschwitz»  – als Name und als Ort  – für einige als allgemeines Symbol für die nationalsozialistischen Verbrechen und den Massenmord an den Juden gilt, of- fenbart eine Reihe von Überlebendenberichten differenziertere Sichtweisen. Für viele die grauenvollste Station auf ihrer Odyssee, der Inbegriff ihres Leidens, eine surreale Hölle auf Erden,27 wurde Auschwitz von anderen Überlebenden keineswegs als das Schlimmste, das sie je erlebten, empfunden ; mehr noch sollte es sich als ein Ort erwei- sen, an dem sich ihre Lebensumstände in mancher Hinsicht sogar verbesserten. Die Erzählung von Sinai (Wolfgang) Adler (geboren 1928) spiegelt die erste Art der Wahrnehmung wider. Die Familie Adler, tief religiöse orthodoxe Prager Juden, wurde nach eineinhalb Jahren im Ghetto Theresienstadt im Oktober 1944 nach Auschwitz überstellt. In der veröffentlichten Fassung seiner Holocaust-Memoiren beschreibt Sinai 25 Zu einer detaillierten Beschreibung der Verfolgung und Massentötung der Juden siehe Raul Hilberg : Die Vernichtung der europäischen Juden, 3  Bde., Frankfurt a. M. 1997 [1961]. 26 AMM, MSDP, OH/ZP1/291, Interview Liebman. 27 Die weithin geteilte Charakterisierung der Realität der Konzentrationslager als Hölle auf Erden taucht bereits kurz nach deren Errichtung auf ; klassisch die Darstellung von Auschwitz in Primo Levis frühem Bericht (1947) über das Lager. Primo Levi : Ist das ein Mensch ?, in : ders., Ist das ein Mensch ?  – Die Atempause, München/Wien 1989, S. 17–175. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Band 2
Titel
Deportiert nach Mauthausen
Band
2
Autoren
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Herausgeber
Melanie Dejnega
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Abmessungen
16.8 x 23.7 cm
Seiten
716
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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