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Deportiert nach Mauthausen, Band 2
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502 | Kobi Kabalek Es fällt nicht schwer nachzuempfinden, welche Erleichterung Nir, die zum Zeitpunkt ihrer Verlegung aus dem Ghetto Theresienstadt nach Auschwitz sechzehn Jahre alt war, nach allem, was ihr dort an Brutalität begegnet war, in Erwartung des Beginns einer neuen Zeit gefühlt haben musste  – wenngleich die im Zitat beschriebene «gute Laune» (die im Ge- samtbild lächerlich erscheinen mag) bestimmt auch dem Umstand geschuldet war, dass sie von einer Schar gleichaltriger Mädchen umgeben war, die sich wohl alle an andere, bessere Zeiten erinnert fühlten. Dass sie, während sie das erzählt, lachen muss, zeigt, wie lebendig das Gefühl, das Schlimmste hinter sich gelassen zu haben, in ihr noch immer ist. Irenas und Nirs Verlegung in das Flossenbürger Außenlager Freiberg geschah im Rah- men einer grundsätzlichen Neuausrichtung des gesamten Lagersystems, die zu dieser Zeit anstand : Angesichts des Wandels im Kriegsverlauf  – namentlich der schweren Ver- luste der Wehrmacht in den Jahren 1943/44  – hatte das nationalsozialistische Regime den «totalen Krieg» ausgerufen, was hieß, dass noch mehr Männer an die Front ab- kommandiert wurden. Den dadurch entstandenen eklatanten Arbeitskräftemangel ge- dachte man durch den massenhaften Einsatz von Lagerhäftlingen  – als Zwangsarbeiter in diversen Industriebereichen, insbesondere der Rüstungsindustrie  – zu kompensieren. Damit einher ging der Beschluss der nationalsozialistischen Behörden, unter anderem durch Erhöhung der Essensrationen die Lebensdauer der Häftlinge zu erhöhen, um die Ausbeutung ihrer Arbeitskraft zu optimieren. Das bedeutete aber angesichts der schweren Arbeitsbedingungen keineswegs, dass damit auch automatisch ihre Überle- benschancen steigen würden. Zusätzlich wurden viele Juden aus den noch existieren- den Ghettos oder Vernichtungslagern geholt und in Zwangsarbeitslager verbracht. Ab 1942 ließ das nationalsozialistische Regime auch auf dem Gebiet des ehemaligen Österreich vermehrt Lager bei Rüstungsbetrieben errichten, die als Außenlager des KZ Mauthausen geführt wurden. Ihre Zahl schoss zwischen Anfang 1943 und Ende 1944 ebenso in die Höhe wie jene der Zwangsarbeiter.36 Ein großer Teil der ab Sommer 1944 von Auschwitz nach Mauthausen verbrachten Juden stammte aus Ungarn, dem Land, das als letztes mit der Deportation und systematischen Ermordung seiner jüdischen Bevölkerung begonnen hatte.37 Im Frühjahr 1945 trafen Massen ungarischer Juden aus den geräumten Südostwall-Lagern in Mauthausen ein.38 36 Bertrand Perz : Der Arbeitseinsatz im KZ Mauthausen, in : Herbert et  al. (Hg.), Die nationalsozialistischen Konzentrationslager, Göttingen 1998, S. 533–557 ; Bertrand Perz/Florian Freund : Konzentrationslager in Oberösterreich, 1938 bis 1945, Linz 2007 (Oberösterreich in der Zeit des Nationalsozialismus, 8), S. 54–64. Zu Gusen siehe Stanisław Dobosiewicz : Vernichtungslager Gusen, Wien 2007 [1977] (Mauthausen Studien, 5). 37 Zu den Erlebnissen ungarischer Juden im Mauthausen-Komplex während der letzten Phase des Krieges vgl. den Beitrag von Regina Fritz in diesem Band sowie dies.: Everyday Life and Survival at Mauthausen during the Final Stages of War. The Hungarian Jews, in : Dapim. Studies on the Holocaust 29.3 (2015), S. 222–239 ; ebenso Szabolcs Szita : Ungarn in Mauthausen. Ungarische Häftlinge in SS-Lagern auf dem Territorium Österreichs, Wien 2006 (Mauthausen-Studien, 4), S. 56. 38 Allein im April 1945 kamen etwa 20.000 ungarische Juden  – Männer, Frauen und Kinder  – in Mauthau- Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Band 2
Titel
Deportiert nach Mauthausen
Band
2
Autoren
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Herausgeber
Melanie Dejnega
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Abmessungen
16.8 x 23.7 cm
Seiten
716
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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