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Deportiert nach Mauthausen, Band 2
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503Die Wege von Juden nach Mauthausen | Zu den aus Auschwitz überstellen Juden gehörten auch etwa vierhundert Frauen, überwiegend Jüdinnen aus Ungarn, der Tschechoslowakei und den Niederlanden, die zwischen Oktober 1944 und Januar 1945 in das Frauenlager Lenzing in Oberösterreich gebracht wurden,39 um in Fabriken zur Synthetikfaserproduktion zu arbeiten.40 Nicht immer führten die Wege, auf denen jüdische Häftlinge in die Arbeitslager des Mauthausen-Komplexes kamen, über Auschwitz. Der 1925 in Krakau geborene Abra- ham Schmidt ging durch eine Vielzahl deutscher Industriebetriebe, in denen er nach der Besetzung seiner Heimatstadt bis zum Kriegsende Zwangsarbeit leisten musste. In Krakau wurde er in Ziegel-, Bürsten- und Papierfabriken eingesetzt ; im März 1943 wurde er in das Arbeitslager Płaszów deportiert, das verschiedenen deutschen Indust- riebetrieben zuarbeitete.41 Im August 1944 ging es weiter in das Stammlager Mauthau- sen, das damals hauptsächlich als Durchgangslager zur Weiterverteilung der Häftlinge auf die Außenlager diente.42 Nach einer Woche Quarantäne kam Schmidt in das Lager Gusen  II, dessen Insassen zum Bau unterirdischer Stollen herangezogen wurden, die als Produktionsstätte der Flugzeuge der Firma Messerschmitt geplant waren. Einige der aus Płaszów nach Mauthausen deportierten Häftlinge verbrachten zu- nächst mehrere Monate in Melk, bevor man sie nach Ebensee, ein weiteres Außenlager, überstellte. Einer von ihnen war Jack Betteil. Zu seinen eindringlichsten und bittersten Erfahrungen als Verfolgter des Deutschen Reichs zählte der Marsch der entkräfteten und ausgehungerten Häftlinge zum Zug, der sie von Melk nach Ebensee bringen sollte : «Wir mussten lange durch grüne Felder marschieren. Und Menschen fielen um wie tot/ Sie [haben] so etwas in Ihrem Leben noch nicht gesehen, [es] war ein Todesmarsch.»43 sen an. Zu Aufzeichnungen zu den Transporten ungarischer Juden nach Mauthausen (eine Revision der von Maršálek angeführten Daten) siehe Szita, Ungarn in Mauthausen, S. 53–107. 39 Obwohl die dort beschäftigten Frauen früher oder später erfuhren, dass das Lager auf österreichischem Boden stand, dürften sie sich in diesem Fall der Tatsache, dass es zu Mauthausen gehörte, erst nach der Befreiung bewusst geworden sein. Siehe z. B. den Bericht von Aliza Bruck aus Ungarn. AMM, MSDP, OH/ ZP1/114, Interview mit Aliza (Alice) Bruck, Interviewer : Sarit Lazerovich, Kfar Saba, 29. 7. 2002. 40 Florian Freund : Lenzing, in : Benz/Distel (Hg.), Ort des Terrors, Bd. 4, S. 389–391. Zum Zeugenbericht einer Frau aus Amsterdam, die aus Westerbork zunächst nach Theresienstadt, dann nach Auschwitz und schließlich nach Lenzing deportiert wurde, siehe Illa Loeb : Krankenschwester in Westerbork, Theresi- enstadt und Lenzing, in : Wiener Library Archive (London), Testaments to the Holocaust, Series One, Section Two (Eyewitness Accounts), Reel  56, P. III. h. Nr. 491. 41 AMM, MSDP, OH/ZP1/281, Interview mit Abraham Schmidt, Interviewer : Sarit Lazerovich, Re’ut, 28. 1. 2003. Zu Płaszów siehe Angelina Awtuszewska-Ettrich : Das Konzentrationslager Płaszów, in : Wolf- gang Benz/Barbara Distel (Hg.), Der Ort des Terrors. Bd. 8 : Riga-Kaiserwald, Warschau, Vaivara, Kauen (Kaunas), Płaszów, Kulmhof/Chełmno, Bełżec, Sobibór, Treblinka, München 2008, S. 233–298. 42 In einigen Fällen wurden die aus Auschwitz deportierten Gefangenen auch direkt, ohne Umweg über das Stammlager, in die Außenlager von Mauthausen gebracht. Einige der Neuzugänge, etwa aus Płaszów, wurden auch im Steinbruch, der nach wie vor in Betrieb war, eingesetzt. Siehe Eckstein, Mauthauzn, S. 237–240. 43 AMM, MSDP, OH/ZP1/303, Interview mit Jack Betteil, Interviewer : Sara Ghitis, Bayside, NY, 27. 8. 2002. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Band 2
Titel
Deportiert nach Mauthausen
Band
2
Autoren
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Herausgeber
Melanie Dejnega
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Abmessungen
16.8 x 23.7 cm
Seiten
716
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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