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Deportiert nach Mauthausen, Band 2
Seite - 505 -
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505Die Wege von Juden nach Mauthausen | Grenze an Erschöpfung oder durch die Kugeln aus den Gewehren der Bewacher.48 Als sich im März 1945 die Front der Grenze näherte, befahl Himmler die Verbringung sämtlicher Zwangsarbeiter nach Mauthausen  – zu Fuß durch mehrere Städte, per Zug oder auf Schleppkähnen auf der Donau. Welchen Weg die Juden auch nahmen, in je- dem Fall waren sie extremen Bedingungen und äußerster Brutalität seitens der SA, des Volkssturms und der Bewacher aus den Reihen der Hitlerjugend ausgesetzt, die viele derer, die sie eskortieren sollten, massakrierten.49 Israel (Ernö) Weiss war mit dem Ausheben von Panzergräben und der Errichtung von Befestigungsanlagen bei Bruck an der österreichischen Grenze beschäftigt, als er und seine Mitgefangenen auf einen Kahn verfrachtet wurden. Während der siebentä- gigen Fahrt auf der Donau bekamen sie kein einziges Mal zu essen. Weiss, der in jenem Jahr neunzehn Jahre alt wurde, schildert eine Reihe denkwürdiger Begebenheiten, die er unterwegs sah. «Also wir sind auch durch Wien gefahren […]. Wir sahen dort […] irgendein jüdisches Mäd- chen. [Sie trug] einen gelben Stern, natürlich […]. Das hat uns ermutigt. Siehe, es gibt noch Juden, das heißt, auch wir haben sogar Aussichten auf eine Familie.»50 In Mauthausen angekommen, wurde Weiss in eines der großen, überfüllten Zelte im Zeltlager gepfercht ; nach einigen Tagen wurden er und seine Mitgefangenen zu Fuß in Marsch gesetzt. Da es im Zeltlager fast nichts zu essen gegeben hatte, waren sie dazu gezwungen, auf dem Weg nach Essbarem zu suchen : «Wir haben uns auf den Wegen von allem bedient, was die Felder anbieten können, und wir haben gelernt, die schmeckenden Gräser im Gegensatz zu den Gräsern/ die nicht gut waren [zu unterscheiden]. Es waren dort auch Schnecken, wie unsere, wie hier [in Israel]. Das hat sehr gut geschmeckt. […] Es war zwei oder drei Tage, der Weg. Geschlafen haben wir, glaube ich, in den Wäldern, und wir gingen auch durch Städte, Ortschaften, Dörfer.»51 Schließlich erreichten sie Gunskirchen, ein Behelfslager mitten im Wald, das hinsicht- lich seiner Ausstattung mit Baracken und Latrinen für die Unterbringung von Tausen- 48 In einigen Fällen wurden die ungarischen Juden mit der Bahn an die österreichische Grenze gebracht. Siehe z. B. die Aussage von Israel (Ernö) Weiss. AMM, MSDP, OH/ZP1/293, Interview mit Israel Weiss, Interviewer : Kobi Kabalek, Nir Galim, 2. 2. 2003. 49 Eckstein, Mauthauzn, S. 247–255. Frühe Berichte (aufgezeichnet 1947) über die Brutalität der Bewacher und Teile der lokalen Bevölkerung hat Benedikt Friedman zusammengetragen : «Iwan, hau die Juden !» Die Todesmärsche ungarischer Juden durch Österreich nach Mauthausen im April 1945, St. Pölten 1989 (Augenzeugen berichten, 1). 50 AMM, MSDP, OH/ZP1/293, Interview Weiss. 51 AMM, MSDP, OH/ZP1/293, Interview Weiss. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Band 2
Titel
Deportiert nach Mauthausen
Band
2
Autoren
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Herausgeber
Melanie Dejnega
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Abmessungen
16.8 x 23.7 cm
Seiten
716
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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