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Deportiert nach Mauthausen, Band 2
Seite - 516 -
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516 | Katarzyna Madoń-Mitzner Spontan wird auch das Schicksal des Vaters erzählt : «[Mein Vater,] obwohl noch minderjährig, wurde in die Polnischen Legionen10 aufgenom- men. Er hat ihren gesamten Feldzug mitgemacht. Er wurde verwundet, verletzt. […] Er war im 4. Regiment der Polnischen Legionen, er hat 1920 am Krieg gegen die Bolschewiken teil- genommen. Weil er keine Ausbildung hatte, schloss er die Unteroffizierschule ab und ging mit dem Dienstgrad eines Oberfeldwebels in die Reserve, wurde Zivilist. Dank dem Dienst in den Legionen wurde er als ziviler Mitarbeiter im Ministerium für Militärangelegenheiten angestellt. Ich wurde im Geiste des Piłsudski-Kultes erzogen, bis heute noch  …»11 Die charakteristische rhetorische Pause, die Wilk-Wilczyński am Ende dieser Erzäh- lung macht, die Rührung, deutet darauf hin, dass der Sprecher dieser Tradition nach wie vor treu ist, obwohl er in der Besatzungszeit «zufällig» in einer extrem rechten Untergrundorganisation mitmachte. Besonders stark formulierte diese Bindung an die patriotische Tradition auch ein anderer ehemaliger Mauthausen-Häftling aus einer ähnlichen Familie, der 1928 in Warschau geborene Józef Rosołowski. «Mein Vater war ein ziemlich hochrangiger Offizier und meine Mutter war Lehrerin, sie hatten die patriotische Erziehung von zu Hause mitgebracht. Nach der Familienüberliefe- rung hatten meine Großväter an den Aufständen teilgenommen, hatten Zwistigkeiten mit dem Zaren gehabt, waren mit ihm nicht einverstanden, überdies waren sie gläubig und mein Vater war Anhänger Piłsudskis. In seinem Arbeitszimmer bei uns daheim hing ein Porträt Piłsudskis und darunter die gekreuzten Säbel der Legionen mit der Aufschrift ‹Gott, Ehre, Vaterland›. Und so wurde ich erzogen.»12 Während der Besatzung war Rosołowskis Vater im Untergrund aktiv. Er wurde von den Deutschen ermordet, seine Mutter und sein älterer Bruder kamen in Konzentrations- lagern um. Von der ganzen Familie hat nur er überlebt  – und das war ein Wunder : Bei der Befreiung Mauthausens lag er im Krankenrevier in den letzten Zügen, er wog nur mehr 36  Kilogramm. Ein amerikanischer Soldat hat ihn auf den Armen hinausgetra- 10 Die «Polnischen Legionen» waren relativ unabhängig operierende Kampfverbände im Ersten Weltkrieg. 1914 aufgestellt, waren sie zunächst der k. u. k. Armee und ab 1916 dem deutschen Heer unterstellt und kämpften an der Ostfront gegen russische Truppen. Anführer der ersten von drei Brigaden war Józef Piłsudski. Anknüpfend an polnische Freiwilligenverbände in den napoleonischen Kriegen galten die Le- gionen in der Zwischenkriegszeit in Polen als Vorkämpfer der Unabhängigkeit und Ursprung der polni- schen Armee, ein Mythos, der von staatlicher Seite massiv befördert wurde. Siehe Mieczysław B. Biskup- ski : Independence Day. Myth, Symbol, and the Creation of Modern Poland, Oxford 2012, S. 7–16. 11 AMM, MSDP, OH/ZP1/390, Interview Wilk-Wilczyński. 12 AMM, MSDP, OH/ZP1/579, Interview mit Józef Rosołowski, Interviewer : Michał Zarzycki, Krakau, 19. 1. 2003. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Band 2
Titel
Deportiert nach Mauthausen
Band
2
Autoren
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Herausgeber
Melanie Dejnega
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Abmessungen
16.8 x 23.7 cm
Seiten
716
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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