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Deportiert nach Mauthausen, Band 2
Seite - 518 -
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518 | Katarzyna Madoń-Mitzner Auf eine ähnlich «unreflektierte» Art berichtet darüber Wojciech Truszczyński (1927– 2010), ebenfalls Sohn eines Beamten und ehemaligen Piłsudski-Legionärs : «Vor dem Krieg war ich bei den Pfadfindern, mein älterer Bruder Janek auch. Ich war noch Wölfling. Direkt vor dem Krieg war ich auf dem Pfadfindertreffen in Spała. Während der Besatzung war ich in der Pfadfindergruppe Gryf, wo mein Cousin Pfadfinderführer war. Bei ihm habe ich das Gelöbnis abgelegt. Ich machte bei kleinen Sabotageaktionen in Warschau mit. Ich war damals Schüler, nahm am illegalen Unterricht im Gymnasium teil und ich habe auch Herrn Janusz Warnecki, einem Freund meines Vaters [einem berühmten Schauspieler und Regisseur, der in der Heimatarmee im Untergrund sehr aktiv war, KMM] geholfen. Er wollte mich unbedingt als seinen Meldegänger haben.»15 Das Motiv des Untergrunds kommt im späteren Verlauf des Gesprächs auf meine Nachfragen hin wieder : KMM : «Wie haben Ihre Eltern das gesehen, dass Sie als Kind im Untergrund tätig waren ?» WT : «Das verstand sich von selbst.» KMM : «Hat Ihre Mutter davon gewusst ?» WT : «Na klar. Mein Vater war dort, und Janek und ich und die ganze Familie. Alle. Im Kran- kenhaus der Barmherzigen Brüder war die Fahne versteckt, bei meinem Onkel, eine der Fah- nen des Warschauer Aufstands. Mein Onkel hatte dort eine riesige Wohnung. […] Dort fan- den verschiedene Treffen statt. Ich weiß nicht über alles Bescheid, was dort vor sich ging, weil ich zu jung war, ich wurde nicht in alles eingeweiht. Aber Romek Buchwic, Włodek Babiński, mein Bruder, die wurden mit eingezogen, ich war noch ein Grünschnabel, von einer Waffe konnte nicht die Rede sein.» KMM : «Hat Ihre Mutter nicht versucht, Sie vor all dem zu schützen ?» WT : «Meine Mutter wusste, dass ich bei den Pfadfindern war und auch in einer Organisation, aber sie wusste nichts Genaues, weil man darüber nie gesprochen hat. Das verstand sich von selbst.»16 Auch der jüngste von uns im Rahmen des MSDP interviewte Überlebende von Maut- hausen, Jan Wojciech Topolewski, 1931 als Sohn eines Beamten geboren, wurde in einer ähnlichen Tradition erzogen. Und obwohl er selbst betont : «Ich hatte vor dem Krieg nicht sehr viel erlebt. Ich war nicht einmal acht Jahre alt, als der Krieg ausbrach», erzählt er dennoch über seine Erziehung, verallgemeinert aber aus der heutigen Perspektive : 15 AMM, MSDP, OH/ZP1/727, Interview mit Wojciech Truszczyński, Interviewerin : Katarzyna Madoń- Mitzner, Warschau, 12. 7. 2002. 16 Ebd.; Włodek (Włodzimierz) Babiński, geb. 1918, war Leutnant und im Aufstand Kommandant einer Kampf gruppe in der Warschauer Altstadt. Er starb im April 1944 im Oflag VII-A in Murnau (Bayern). URL : https://www.1944.pl/powstancze-biogramy/wlodzimierz-babinski,43.html (15. 10.2010). Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Band 2
Titel
Deportiert nach Mauthausen
Band
2
Autoren
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Herausgeber
Melanie Dejnega
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Abmessungen
16.8 x 23.7 cm
Seiten
716
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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