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Deportiert nach Mauthausen, Band 2
Seite - 521 -
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521Die Warschauer Deportierten von 1944 | Stelle als Portier in der Staatlichen Pensionsanstalt bekam und wir aus diesem Armenviertel in die vornehme Krakowskie Przedmieście  19 zogen.»20 Als die Interviewerin ihn näher dazu befragte, führte er aus : «Das Leben im Vorkriegs-Warschau habe ich von zwei Seiten kennengelernt, der guten und der schlechten. Bis zu meinem achten Lebensjahr wuchs ich in einem Elendsviertel auf, wo das sogenannte Lumpenproletariat wohnte, Leute, die keine Arbeit hatten, ähnlich wie mein Vater. […] Ich ging mit einem Henkelmann, um Suppe bei der Sozialfürsorge in der Madalińskiego-Straße zu holen, und brachte diese Suppe nach Hause, das war praktisch unsere einzige Nahrung. Mein Großvater hatte Tuberkulose, in dieser Stube im Souterrain lebten sechs Personen. Ich habe den ständigen Husten meines Großvaters noch immer im Ohr, er ist schließlich an diesem Husten gestorben. Dann zogen meine Eltern in eine andere Wohnung, auch in der Stępińska-Straße, dort herrschte auch Elend, meine ganze Familie war praktisch arbeitslos, aber später ging das zu Ende.»21 In einem 2010 aufgezeichneten Videobericht geht Stawicki viel genauer auf seine Kind- heit ein : «Mein Vater arbeitete nur bis zum Beginn der Krise. Dann wurde er arbeitslos und konnte keine Arbeit mehr finden. […] er suchte sehr lange nach einer Arbeit, meine Mutter hatte Gelegenheitsarbeiten, die körperlich anstrengend waren, und mein Vater konnte eben keine Arbeit finden, er war so verzweifelt, dass er zu Beginn der dreißiger Jahre, vielleicht 1931 oder 1932, versuchte, sich das Leben zu nehmen, aber er wurde gerettet.»22 Hier ist keine Rede von einer väterlichen Autoritätsperson, die den Sohn zu Militär- paraden mitnimmt und ihm patriotische Tugenden einimpft. Der soziale Aufstieg  – der Vater bekommt einen guten Posten, die Familie zieht in die vornehme Krakowskie Przedmieście, der Sohn besucht eine gute Schule  – hat zwar zur Folge, dass auch in dieser Erzählung das Motiv der patriotischen Erziehung auftaucht. Sie erfolgt jedoch nicht im Elternhaus, sondern in der Pfadfinderorganisation. «Ich möchte sagen, dass vor dem Krieg die Kinder sehr stark angeworben wurden. Wenn ich das jetzt aus der heutigen Perspektive beurteile, dann waren wir, Kinder mit zwölf, drei- zehn Jahren sehr große Patrioten. Schon die Kinder waren Wölflinge oder Wichtel und danach richtige Pfadfinder. Wir hätten uns für Piłsudski, für Marschall Rydz-Śmigły und 20 AMM, MSDP, OH/ZP1/568, Interview mit Zdzisław Stawicki, Interviewerin : Agnieszka Knyt, Warschau, 15. 12. 2002. 21 Ebd. 22 Dom Spotkán z Historią (DSH), Oral History Archiv, Bericht von Zdzisław Stawicki (Video). Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Band 2
Titel
Deportiert nach Mauthausen
Band
2
Autoren
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Herausgeber
Melanie Dejnega
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Abmessungen
16.8 x 23.7 cm
Seiten
716
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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