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Deportiert nach Mauthausen, Band 2
Seite - 522 -
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522 | Katarzyna Madoń-Mitzner für Präsident Mościcki in Stücke reißen lassen. Sie waren für uns wie Götter. Ich ging mit großer Begeisterung zu den Wölflingen und wollte möglichst schnell ein richtiger Pfadfinder werden.»23 Von einer patriotischen Tradition in der Familie und in der Schule völlig abgeschnitten verlief die Kindheit des 1925 in Frankreich geborenen Henryk Matulko. Seine Bio- grafie ist vielleicht die ungewöhnlichste in dieser Häftlingsgruppe. Eine unglückselige Entscheidung seiner Eltern war für die ganze Familie verhängnisvoll : «Mein Vater ist nach dem Ersten Weltkrieg 1919 nach Frankreich ausgewandert. Er arbeitete bis zum Jahr 1938 in Nordfrankreich als Bergmann. Ich war der jüngste von drei Brüdern. […] Der älteste war Władysław, dann kam Zdzisław, und dann ich, Henryk. […]» «Ich habe die französische Grundschule absolviert, meine Brüder auch. Und nach der Grund- schule hatten wir keine Möglichkeit, weiterzulernen. Der Vertrag mit dem Bergwerk sah vor, dass die herangewachsenen Kinder auch im Bergwerk arbeiten mussten. Und mein ältester Bruder, der die Schule schon abgeschlossen hatte, war auch gezwungen, im Bergwerk zu ar- beiten. Der mittlere war mit der Schule auch schon fertig und musste auch arbeiten. Natürlich nicht unter Tag, sondern an der Oberfläche, beim Sortieren der Kohle, am Fließband.» «Nach langem Überlegen entschlossen sich meine Eltern zur Rückkehr. […] Und wir kamen Anfang 1939 nach Warschau. […]» «Mein Vater suchte Arbeit, fand aber leider keine. Aber weil sein Bruder Bekannte unter den Maurern hatte, begann mein Vater auf einer Baustelle. Das war nicht allzu angenehm, denn im Bergbau hatte er schwer gearbeitet und hier, in Polen, ebenso. Er musste Ziegelsteine auf Schubkarren in die Stockwerke bringen  … […]» «Aber als wir nach Warschau kamen, war ich enttäuscht. Ich weinte, ich wollte nicht da blei- ben. In Frankreich hatte ich Freunde, in Warschau war ich einsam, ich wusste nichts mit mir anzufangen. Und einige Monate später brach der Krieg aus und alles brach zusammen. Weder Schule noch sonst was.»24 23 AMM, MSDP, OH/ZP1/568, Interview Stawicki. Edward Rydz-Śmigły (1886–1941) war Stellvertreter Piłsudski in den Polnischen Legionen, er war Kriegsminister der ersten polnischen Regierung, Komman- deur im Polnisch-Sowjetischen Krieg 1919/20, ab 1935 Generalinspekteur der Streitkräfte und Marschall von Polen. Gegen den Wunsch der Exilregierung ging er nach zwei Jahren Exil in Rumänien und Ungarn 1941 nach Warschau zurück und schloss sich als einfacher Soldat dem Widerstand an, starb aber wenige Wochen später. 24 AMM, MSDP, OH/ZP1/739, Interview mit Henryk Matulko, Interviewer : Tomasz Gleb, Warschau, 30. 11./ 2. 12. 2002. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Band 2
Titel
Deportiert nach Mauthausen
Band
2
Autoren
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Herausgeber
Melanie Dejnega
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Abmessungen
16.8 x 23.7 cm
Seiten
716
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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