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Deportiert nach Mauthausen, Band 2
Seite - 523 -
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523Die Warschauer Deportierten von 1944 | Zusätzlich gab es sprachliche Probleme. Henryk und seine Brüder waren unter gleich- altrigen Franzosen groß geworden und ihre erste Sprache war Französisch. Er erzählt, dass er in einem internationalen Milieu aufwuchs, unter Kindern von Immigranten verschiedener Nationalitäten. Die Eltern sprachen polnisch, aber die Söhne hatten Schwierigkeiten mit dieser Sprache. In Warschau waren die Kinder sozial völlig iso- liert, in einer fremden Umgebung, eigentlich ohne Polnischkenntnisse, dazu kamen die finanziellen Schwierigkeiten der Familie und bald der Überlebenskampf im Besat- zungsalltag. Auf die Frage, ob er während der Besatzung im Untergrund war, antwortet Henryk Matulko : «Nein. Ich war zu jung, außerdem erlaubten es meine Eltern nicht. Es ist uns irgendwie gelun- gen, fast bis zum Ende der Besatzung zu überleben, und wir dachten, dass wir davongekom- men wären. Vielleicht hatte mein älterer Bruder irgendwelche Geheimnisse, aber darüber wurde nicht gesprochen.»25 In einem anderen 2010 aufgezeichneten Videobericht führt Matulko aus, dass er nicht im Untergrund war, weil er keine Kontakte dorthin hatte, niemanden kannte, der ihn in die Organisation hätte einführen können. Er hatte auch keinen entsprechenden «ideologischen» Hintergrund.26 Religiös Überzeugte Zitieren wir noch den Bericht des einzigen Zeugen Jehovas aus Warschau, Bogumił Kinicki, geboren 1924. Es ist faszinierend, wie hier die patriotische Tradition auf die re- ligiösen Überzeugungen stößt, was offensichtlich zu einer inneren Zerrissenheit führte. «Mein Vater arbeitete erst in einer Bank und später war er Redakteur bei der 14-tägig erschei- nenden Zeitschrift ‹Złoty wiek› [Goldenes Zeitalter], danach bei ‹Nowy dzień› [Neuer Tag]. Er fuhr dann auch durch ganz Polen und hielt Vorträge. Wir fuhren ihm nach und waren immer dort, wo er war. […]» «Mein Großvater war in der Gesinnung Piłsudskis erzogen, mein Vater war in den Legionen. Ich wurde so erzogen. Man hat Lieder über Piłsudski gesungen, ich sang auch in einem Chor. Diese Lieder kann ich bis heute. Also wurde ich im patriotischen Geiste erzogen. Leider, so war es.»27 25 Ebd. 26 DSH, Oral History Archiv, Bericht von Henryk Matulko (video). 27 AMM, MSDP, OH/ZP1/771, Interview mit Bogumił Kinicki, Interviewer : Michał Zarzycki, Warschau, 27. 11. 2002. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Band 2
Titel
Deportiert nach Mauthausen
Band
2
Autoren
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Herausgeber
Melanie Dejnega
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Abmessungen
16.8 x 23.7 cm
Seiten
716
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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