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Deportiert nach Mauthausen, Band 2
Seite - 525 -
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525Die Warschauer Deportierten von 1944 | sern und Restaurants. Oder wir standen beim Chocolatier Wedel um Bonbons an, denn eine gewisse Menge konnte man einfach so kaufen. Wir kauften sie nicht für uns, sondern um sie weiterzuverkaufen. Wir machten auch Zigaretten, Karbid für Lampen  … Man handelte mit allem. Mein Vater bekam später Arbeit in der Warschauer Stadtverwaltung, ich glaube, die war kommissarisch  … Er war im Versorgungsamt und lieferte Brot aus. Brot bekam man gegen Lebensmittelkarten. Er überwachte den Brottransport. Einige Brotlaibe blieben immer übrig, da hatten wir mehr als von der Zuteilung. Marmelade war ein Grundnahrungsmittel. Manchmal ging ich mit einer Blechkanne in die Dworkowa-Straße, Ecke Puławska. Dort gab es eine Küche der polnischen Fürsorgeorganisation RGO [Rada Główna Opiekuńcza  – Zen- traler Wohlfahrtsrat], die Essen kochte, das heißt Suppen. Wenig nahrhaft, aber warm. Meine Mutter besserte sie zu Hause auf. Ich war damals sehr schwach, weil ich im Wachstum war. Ich sollte mich gut ernähren, aber es gab nichts. Vor dem Krieg war ich das Ein und Alles meiner Eltern. Ich hatte ideale Lebensbedingungen. Ich bekam nur das Beste : Obst, Bananen, Ferien, Sommerfrische in Rabka, in den Bergen  … Und jetzt so schlechte Bedingungen  … Ich war schwach, ich weiß noch, dass ich häufig in Ohnmacht fiel. Das war eine schwere Zeit.»30 Wacław Wilk-Wilczyński hatte zuvor in einer eleganten Wohnsiedlung für Offiziere im Bezirk Mokotów gewohnt und dort eine elitäre Schule besucht. Und dann kam der soziale Abstieg ; Man musste sich irgendwie helfen, um das tägliche Brot kämpfen, Handel treiben, lavieren  – davon waren auch die Söhne aus «gutem Hause» betroffen. Das Thema des Schwarzhandels und des Schmuggelns während der Besatzungszeit fin- det sich in nahezu jedem Bericht wieder, unabhängig von der sozialen Herkunft der Erzähler. «Konspirationsmanie» Wacław Wilk-Wilczyński erwähnt auch seine Bemühungen, in eine Untergrundorga- nisation zu gelangen. Aber diese Schilderung hat nichts Heldenhaftes und ist vom pa- triotischen Pathos weit entfernt. «In Warschau herrschte eine Konspirationsmanie : Die einen waren im Untergrund, andere taten, als gehörten sie dazu, wieder andere wollten irgendwo dazugehören. Das betraf vor allem die Jugend. Ich hatte zwei Kameraden, einer von ihnen, Olek, lebt in Kanada und der zweite, Zbyszek Laudański, der ist schon gestorben. Diese Kameraden imponierten mir, weil sie in die Grauen Reihen aufgenommen wurden, sogar in die Sturmbataillone. Ich nahm mit ihnen an Aktionen teil. Mit Knallkörpern vertrieben wir die Warteschlangen vor den Kinos, wir schrieben Parolen wie ‹Ins Kino gehen lauter Schweine, ins Theater auch die Reichen !› Aber wir gingen selber auch ins Kino  … (er lacht). Ich ging hin, denn ich konnte es ohne 30 Ebd. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Band 2
Titel
Deportiert nach Mauthausen
Band
2
Autoren
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Herausgeber
Melanie Dejnega
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Abmessungen
16.8 x 23.7 cm
Seiten
716
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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