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Deportiert nach Mauthausen, Band 2
Seite - 526 -
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526 | Katarzyna Madoń-Mitzner nicht aushalten. Im Kino Palladium wurde der Film ‹Baron Münchhausen› gespielt, in Farbe, ein wunderbarer Film. Der Film von einem Lügenbaron. Ich konnte nicht widerstehen. Das war meine Sünde.»31 «In Warschau herrschte eine Konspirationsmanie  …»  – dieser eine Satz gibt treffend wieder, wie die «Jungen» damals dachten und fühlten. «…  wir schrieben Parolen wie ‹Ins Kino gehen lauter Schweine›  …, aber wir gingen selbst auch ins Kino  …» Kaum ei- ner von unseren Gesprächspartnern spricht so ehrlich wie Wilk-Wilczyński über seine Schwächen, hat so eine autoironische Distanz zu sich selbst, scheut nicht davor, der jungen Generation eine komplexere, mehrschichtige Darstellung der Ereignisse und Empfindungen zu überliefern. Das trifft im Übrigen auch auf seine spätere Erzählung über das Lager zu. Und so beschreibt er seine Einweihung in die Untergrundtätigkeit : «Jedenfalls wollten meine Freunde mich in die Organisation aufnehmen, oder auch nicht. Sie sagten : ‹Warte, wir sind selber erst kurz dabei  … Wir können dich da noch nicht vorschla- gen.› Und obwohl ich Pfadfinder war, konnte ich in diese Untergrundgruppe nicht hinein- kommen. Bis der Untergrund durch eine seltsame Fügung selbst zu mir kam.» «Wir hatten eine große Wohnung in guter Lage und meine Eltern beschlossen einen Unter- mieter zu nehmen. […] Er hieß Jerzy Grabowski, war etwa 43  Jahre alt, nahezu glatzköpfig, groß, gut gebaut. Er gefiel mir, ein Pfundskerl. […] Und was war ? –  – Dieser Herr Grabowski war Hauptmann der Reserve, Dozent in der Schule der militärischen Abteilung der Nationa- len Konföderation [Konfederacja Narodu]. Das war eine Unabhängigkeitsorganisation, die sich später mit der Heimatarmee zusammenschloss. Aber ihren Ursprung hatte sie noch vor dem Krieg in der Falanga von Bolesław Piasecki, er hat diese Nationale Konföderation ge- schaffen. Sie hatte etwas faschistische Züge, aber agierte im Untergrund. Sie hatte eine militä- rische und eine zivile Abteilung, gab die Zeitschrift ‹Sztuka i Naród› [Kunst und Volk] heraus. Später habe ich diese Zeitschrift sogar ausgetragen. Und Herr Grabowski war Dozent und war sehr aktiv. Es kamen zu ihm Meldegängerinnen. Meine Mutter war später etwas böse, dass er das vor uns geheim gehalten und uns einer Gefahr ausgesetzt hatte. Denn ständig hatte er Besuch, den ganzen Tag hörte man das Geklapper einer Schreibmaschine. […]» «Grabowski schickte mich manchmal an die Straßenecke, damit ich aufpasste, ob sich hier nicht jemand auffällig herumtreibt, und ihn im Zweifelsfall warnte. Und da habe ich ihm gesagt, ich möchte auch der Organisation angehören. – ‹Na gut, wir werden dich angeloben, ich frage noch deine Mutter  …› –  – Wenn ich schon mitmache und dabei bin, warum soll ich da nicht angelobt werden ? Alle sind irgendwo dabei, ich möchte auch irgendwo dabei sein.»32 31 Ebd. 32 Ebd. Bolesław Piasecki (1915–1979) war Begründer der rechtsextremen, antikommunistischen Partei Nationalradikales Lager (Obóz Narodowo-Radykalny  – ONR), bzw. der Abspaltung ONR-Falanga, aus der Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Band 2
Titel
Deportiert nach Mauthausen
Band
2
Autoren
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Herausgeber
Melanie Dejnega
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Abmessungen
16.8 x 23.7 cm
Seiten
716
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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