Seite - 528 - in Deportiert nach Mauthausen, Band 2
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528 | Katarzyna Madoń-Mitzner
haben es auch mitbekommen. Vielleicht ist es auch den Deutschen aufgefallen, dass bei uns
so viel los war. Oder jemand hat uns verpfiffen, vielleicht der Hauswart ?»34
Nach dieser Geschichte flüchtet er für einige Monate zu Verwandten aufs Land, und
als er zurückkehrt, versucht er mit seiner Organisation wieder in Kontakt zu treten :
«Ich habe nur so viel erreicht, dass ich in eine Gruppe von Iskra [Funke] kam. Das waren
Gruppen von fünf Personen, die von dieser Militärabteilung für die Jugendlichen, die in War-
schau blieben, für den Fall des Aufstands geschaffen wurden. Sie gehörten zu der Kompanie
Mieczyki [Kleine Schwerter] von Mieczysław Kurzyna.»35
Wacław Wilk-Wilczyński ist einer der ältesten von uns interviewten Warschauer De-
portierten. Er hat den Besatzungsalltag bildhaft dargestellt und ist somit einer der we-
nigen, die tatsächlich dem Untergrund angehörten. Andere Zeitzeugen konnten wegen
ihres jugendlichen Alters bestenfalls bei der Pfadfinderorganisation «Graue Reihen»
gewesen sein, wie Stefan Rzepczak, Wojciech Truszczyński oder Jan Chodakowski (geb.
1930), bzw. am illegalen Unterricht teilgenommen haben. Manche versuchten erfolglos
Kontakte zum Untergrund zu knüpfen (wie Zdzisław Stawicki). Andere bemühten sich
nicht einmal darum, denn sie mussten arbeiten, ihren Familien bei der Beschaffung
von Lebensmitteln helfen, ganz einfach versuchen, zu überleben. Die Untergrundtä-
tigkeit von Wilk-Wilczyński hatte keinerlei Einfluss auf sein späteres Schicksal, da er
schon ganz zu Beginn des Aufstandes von den Deutschen verhaftet und später nach
Mauthausen deportiert wurde.
Der Aufstand
Der schon oft zitierte Wilk-Wilczyński beschreibt sehr genau den ersten Tag des Auf-
stands im Bezirk Mokotów :
«Und im August brach der Warschauer Aufstand aus, die Stunde ‹W›. Ich war aufgeregt, denn
ich wusste nicht, wo ich mich melden sollte. Sie hätten mich doch benachrichtigen sollen.
Also ging ich in der Früh, noch vor der Stunde ‹W›, mit allen Dokumenten meiner Eltern in
die Parkowa-Straße zu meinen Großeltern, denn das Stadtviertel am Łazienki-Park schien
ruhig zu sein. Dort wollte ich die Wertgegenstände und Dokumente unserer Familie ver-
stecken. Auf dem Rückweg überraschte mich die Stunde ‹W›. Ich lief schnell nach Hause,
34 AMM, MSDP, OH/ZP1/390, Interview Wilk-Wilczyński.
35 Ebd. Mieczysław Kurzyna (1919–1983) war Herausgeber von zwei Untergrundzeitschriften («Młodzież
Imperium» [Jugend des Reichs] und «Iskra»). Die unter seinem Kommando stehende Kompanie Mieczky
bestand aus ca. 40 Jugendlichen im Alter von 15 bis 18 Jahren.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen
Band 2
- Titel
- Deportiert nach Mauthausen
- Band
- 2
- Autoren
- Gerhard Botz
- Alexander Prenninger
- Regina Fritz
- Herausgeber
- Melanie Dejnega
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21216-4
- Abmessungen
- 16.8 x 23.7 cm
- Seiten
- 716
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen