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Deportiert nach Mauthausen, Band 2
Seite - 529 -
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529Die Warschauer Deportierten von 1944 | die Deutschen schlossen sich im Bunker bei Nummer  468 ein –  – dort gegenüber war eine Straßenbahnremise. […] Ich erinnere mich, dass kaum noch Passanten unterwegs waren, nur einige huschten verstohlen vorbei. Die Straßenbahn war stehen geblieben, die Fahrgäste zer- streuten sich und flüchteten. Und ich jagte von der Parkowa bergauf zu der Willowa und zur Rakowiecka. Ich kam an der Sandomierska und der Wiśniowa vorbei, da ging die Schießerei los : peng, peng, peng ! Auf der polnischen Seite wurden Fenster geöffnet, ich sah dort Kampf- stände, jemand hisste sogar eine weiß-rote Fahne. Ich lief bis zur Niepodległości-Allee […]. Die Sonne ging seltsam unter, in einer Art Feuerbrunst. Auf dem Areal der Pola Mokotowskie brannte etwas. Ich weiß nicht, was brannte, aber es gab starken Rauch. Durch diesen Rauch erschien die Sonne rostfarben, fast rot. Und an der Kreuzung der Niepodległości-Allee und der Rakowiecka-Straße lag eine Kuh. Ihre Beine waren ganz verrenkt [er zeigt es]. Sie war tot.»36 Stefan Rzepczak, den wir schon mehrmals zu Wort kommen ließen, war als Pfadfinder bei den «Grauen Reihen» stärker am Aufstand beteiligt. Er berichtet : »Am Tag, als der Aufstand ausbrach, wurde mein Vater ganz früh durch einen Boten aufge- fordert, sich in seinem Abschnitt zu melden. Wir wohnten damals in der Grzybowska-Straße. […] Er wandte sich an meine Mutter : ‹Pass gut auf die Jungen auf, und ihr  – tut eure Pflicht.› Mein Vater wusste, dass ich im Untergrund bin, und hat sich in mir nicht getäuscht, was er mir achtzehn Tage später sagte, als er während des Aufstands einen Freigang bekam. Er kämpfte in der Nähe des Warschauer Elektrizitätswerks und wir trafen uns nach achtzehn Tagen im Stadtteil Powiśle bei meiner Großmutter, wo wir vorher in der Przemysłowa-Straße gewohnt hatten. Ich hatte meinen um ein Jahr älteren Bruder in die Grauen Reihen mitge- nommen, wir waren Meldegänger bei der Post der Aufständischen. Als unser Vater uns mit den Armbinden, Schiffchen und Uniformen der Aufständischen sah, küsste er uns und sagte : ‹Meine Söhne, ich habe mich in euch nicht getäuscht !› Jedenfalls war er in jenem Augenblick durch das alles sehr aufgewühlt, er sah, dass der Aufstand zum Scheitern verurteilt war. Er war sich bewusst, dass das Opfer der jungen Menschen umsonst ist.»37 Eine eigenartige und widersprüchliche Szene : Der Vater sagt zu seinen Söhnen, die in Uniformen der Aufständischen vor ihm stehen, dass er sich in ihnen nicht getäuscht habe. Er sei auf sie stolz, aber gleichzeitig ist ihm bewusst  – besser gesagt, der Sohn meint, dass es dem Vater bewusst ist  –, dass der Aufstand mit einer Niederlage enden wird und dass «das Opfer der jungen Menschen umsonst ist». Wir finden hier einen 36 AMM, MSDP, OH/ZP1/390, Interview Wilk-Wilczyński. Pola Mokotowskie (Mokotów-Felder) ist ein ca. 200  Hektar großes Gelände zwischen den Stadtteilen Mokotów und Ochota, das zum Großteil vom Flug- hafen Mokotów und von den Flugzeugwerken der Technischen Universität genutzt wurde. 1935 hatten die Trauerfeierlichkeiten für Józef Piłsudski dort stattgefunden. Heute befindet sich dort eine der größten Parkanlagen Warschaus. 37 AMM, MSDP, OH/ZP1/083, Interview Rzepczak. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Band 2
Titel
Deportiert nach Mauthausen
Band
2
Autoren
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Herausgeber
Melanie Dejnega
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Abmessungen
16.8 x 23.7 cm
Seiten
716
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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