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Deportiert nach Mauthausen, Band 2
Seite - 533 -
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533Die Warschauer Deportierten von 1944 | «Vielleicht war es ein Fehler, dass unsere Familie zusammenblieb. Ich glaube, dass das ein großer Fehler war.»42 Dementsprechend pessimistisch urteilt Henryk Matulko im Interview mit Tomasz Gleb über die Motive des Aufstands und das Verhalten vieler der polnischen Einge- schlossenen : HM : «Ich glaube, am Anfang hat jeder gedacht, dass das so ein Aufstand sein würde wie 1918. Dass er ein, zwei Tage dauert, die Deutschen fliehen werden und Warschau dann frei ist. Später hat sich die Einstellung geändert, weil die Aufständischen die Stadt und seine Bevöl- kerung ins Verderben führten. Meine Einstellung zu den Aufständischen und den Anführern, die den Befehl zum Aufstand gaben, ist bis heute ablehnend.» TG : «Gab es während des Aufstands in der Altstadt Konflikte zwischen der Zivilbevölkerung und den Aufständischen ?» HM : «Ja. Weil die Bevölkerung wegwollte. Es war wie in einem Kessel. Bomben fielen, jeden Tag gab es Opfer. Die Menschen wollten ihre verschütteten Familienangehörigen ausgraben, hatten aber kein Werkzeug dazu. Sie konnten sich selbst auch nicht befreien. Ich habe erzählt, dass wir versucht haben, durch die Kanäle ins Zentrum zu gelangen, aber die Kanäle waren leider schon vermint und mit Gas befüllt. […] Wir hatten einen ziemlich langen Abschnitt ge- schafft, aber die Soldaten [die Aufständischen, KMM] erlaubten uns nicht, weiterzugehen. Die Soldaten wurden durchgelassen, aber die Zivilisten nicht, und wir mussten umkehren. […]» TG : «Waren Sie damals, im August 1944, gegen den Aufstand ?» HM : «Aber sicher ! Wir fürchteten uns vor dem Aufstand. Wenn wir einen Bekannten im Untergrund gehabt hätten, der den Tag des Ausbruchs gekannt hätte, wären wir vielleicht aus Warschau weggefahren. Nur hätten wir nicht gewusst wohin.»43 Auch Michał Fertak konnte sich nicht aus Warschau fortbewegen : «Und dann kam der 28. August, am Vortag haben die Deutschen bekannt gegeben, dass sich am nächsten Tag alle Männer zwischen 16 und 60  Jahren an einem bestimmten Ort einzufin- den hätten, ich glaube in der Białostocka-Straße. Sie müssten sich dort sammeln und zum Ver- lassen der Stadt bereit sein. Man stand vor einem Dilemma : bleiben und sich verstecken oder sich am angegebenen Ort einfinden. Unsere Bekannten versuchten sozusagen verschiedene Tricks. Manche steckten ihre Söhne, die jünger als ich waren, in kurze Hosen, sie schnitten ihnen die Haare ab, um zu beweisen, dass sie noch nicht sechzehn sind, und versteckten sie irgendwie. Wir überlegten, was tun. Denn die Anordnung war so, dass wenn sie nach diesem Zeitpunkt noch einen Mann in diesem Alter finden sollten, würden er und seine ganze Familie auf der Stelle erschossen. Ich habe mich damals in das Schicksal gefügt oder so und habe be- 42 AMM, MSDP, OH/ZP1/739, Interview Matulko. 43 Ebd. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Band 2
Titel
Deportiert nach Mauthausen
Band
2
Autoren
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Herausgeber
Melanie Dejnega
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Abmessungen
16.8 x 23.7 cm
Seiten
716
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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