Seite - 534 - in Deportiert nach Mauthausen, Band 2
Bild der Seite - 534 -
Text der Seite - 534 -
534 | Katarzyna Madoń-Mitzner
schlossen, das Leben meiner Mutter und meines behinderten Bruders nicht zu gefährden, und
fand mich an diesem sogenannten Sammelplatz ein. Von dort wurden wir zum Ostbahnhof
getrieben, wo man uns in Güterwaggons verlud und nach Pruszków abtransportierte.»44
Transport ins Ungewisse
Als die Altstadt gefallen war und es im Bezirk Mokotów keine Kampfhandlungen mehr
gab, begannen die Deutschen, die Bevölkerung und die gefangenen Aufständischen
aus Warschau abzutransportieren und an Sammelpunkten gruppenweise zusammen-
zustellen. Von dort kamen sie weiter in das Durchgangslager 121 in Pruszków, einer
Stadt südwestlich von Warschau, wo sie eine Nacht (oder mehrere Nächte) verbrach-
ten. In einem solchen Transport befand sich auch die damals knapp 13-jährige Irena
Rowińska (geb. 1931) und ihre Mutter. Sie hatten zuvor in dem vornehmen Teil War-
schaus, in Mokotów, gelebt und waren während des Aufstandes von dort vertrieben
worden. Sie wurden von den Soldaten der ukrainischen SS-Division RONA im Bezirk
Ochota festgenommen und nach einigen Tagen im Durchgangslager auf dem ehema-
ligen Gemüsemarktplatz Warschaus (Zieleniak) in das nächste Durchgangs lager in
Pruszków getrieben. Ihre Schilderung ist einer der wenigen Berichte über die Bedin-
gungen im Dulag Pruszków. Aus der Perspektive ihrer späteren Lagererlebnisse be-
trachten die Überlebenden Pruszków als eine Episode, die nicht erwähnenswert ist,
oder sie haben diese Zeit einfach vergessen.
Irena Rowińska beschreibt Pruszków im Lichte ihrer späteren Erfahrung mit einer
für sie typischen Ironie immer wieder als einen «wunderbaren» Ort, wo eine Men-
schenmenge zusammengepfercht gewesen war :
«Na, ein herrlicher Ort, stinkend, schrecklich. Ich sage stinkend, weil da vor allem Schmier-
stoffe waren. Das war so ein Ort, wo die Eisenbahnwaggons repariert wurden. Und die
Schmierstoffe haben erbärmlich gestunken ; das kann man sich kaum vorstellen, den Gestank
dieser Schmierstoffe. Und wenn man dazu noch den ganzen Rest nimmt – es gab ja keine
Toiletten und so weiter, und diese Menschenmengen – da kann man sich das herrliche Bild
ausmalen. Dazu natürlich Verwundete, Kinder oder so, alle hungrig, verlaust, dreckig. Wir
sind/ sind gesessen
– wir schliefen eigentlich auf diesen / auf dem Boden, da gab es diese, wie
heißt das bloß, solche Stellen, wo die Waggons heranfuhren, und weiter unten gab es Platz,
um diese Waggons zu reparieren.»45
Doch es ging weiter, wie sie erzählt :
44 AMM, MSDP, OH/ZP1/596, Interview Fertak.
45 AMM, MSDP, OH/ZP1/795, Interview mit Irena Rowińska, Interviewerin : Monika Kapa-Cichocka,
Warschau, 24. 4. 2003.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
zurück zum
Buch Deportiert nach Mauthausen, Band 2"
Deportiert nach Mauthausen
Band 2
- Titel
- Deportiert nach Mauthausen
- Band
- 2
- Autoren
- Gerhard Botz
- Alexander Prenninger
- Regina Fritz
- Herausgeber
- Melanie Dejnega
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21216-4
- Abmessungen
- 16.8 x 23.7 cm
- Seiten
- 716
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen