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Deportiert nach Mauthausen, Band 2
Seite - 536 -
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536 | Katarzyna Madoń-Mitzner Stefan Rzepczak wurde mit einer kleinen Gruppe bis zur St.-Wojciech-Kirche im Be- zirk Wola getrieben und von dort am Abend auf den Westbahnhof und nach Pruszków gebracht, wo sie eine Nacht verbrachten. Interessant ist die Festnahme selbst. Rzepczak und sein Bruder waren in den aufständischen Hilfsdiensten tätig, aber festgenommen wurden sie als Zivilisten in einem von den Deutschen zurückeroberten Stadtteil. Dabei wurden auch die Mutter und die Großeltern von den Deutschen mitgenommen, ver- mutlich direkt aus der Wohnung : «Was war für uns ein großes Erlebnis ? Dass in der Nachbarbaracke, das waren solche Eisen- bahnbaracken, meine Mutter und meine Großeltern waren. Und als man uns schon in die Güterwaggons trieb, sah meine Mutter, wie wir von den SS-Männern angetrieben wurden. Sie flehte einen der SS-Männer an, uns etwas mitgeben zu dürfen, da wir nichts zu essen hatten. Sie hatte etwas Würfelzucker und Zwieback. Als wir eigentlich schon im Waggon eingeschlos- sen waren, flehte sie die SS-Männer an, die Tür zu öffnen und uns diese Gabe unserer Mutter hineinzuwerfen. Die Worte meines Vaters waren : ‹Seht eure Mutter gut an, vielleicht ist es zum letzten Mal.› Durch die vergitterten Fenster sahen wir, wie meine Mutter und andere Frauen, die ihre Männer, Söhne und Brüder erkannt hatten, weinten.» «Als sich die Waggons in Bewegung setzten, wurde das Lied angestimmt : Nie rzucim ziemi skąd nasz ród  … [Wir lassen uns nicht von unserer Heimaterde vertreiben]. Mit diesen Wor- ten und Tränen in den Augen nahmen wir von Pruszków und unseren Familien Abschied. Und so begann unser Leidensweg ins Lager.»48 Für andere war dies wie die Fahrt «von einer Hölle in eine andere, eine noch schlim- mere», und für Janusz Bąkowski war es wie ein Albtraum : «Und dieser Alptraum, dieses Abnormale, das Herausstoßen aus dem normalen Leben, wo man unter seinesgleichen ist, das hat eben begonnen, in dem Moment, als der Zug zu rollen begann, und wir wussten es nicht, aber es ging Richtung Mauthausen.»49 Doch auch zufällig konnte man in einen solchen Transport kommen, wie der 1914 geborene Jerzy Pol aus Radomsko berichtet. Er hatte im September 1939 als Soldat gekämpft, in der Mühlanlagenfabrik in Radomsko gearbeitet, war Mitglied der lokalen Gruppe des Verbandes für den bewaffneten Kampf der Heimatarmee. In den War- schauer Transport nach Mauthausen vom 27. August 1944 geriet er unter etwas para- doxen Umständen. 48 AMM, MSDP, OH/ZP1/083, Interview Rzepczak. 49 AMM, MSDP, OH/ZP1/784, Interview Bąkowski. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Band 2
Titel
Deportiert nach Mauthausen
Band
2
Autoren
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Herausgeber
Melanie Dejnega
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Abmessungen
16.8 x 23.7 cm
Seiten
716
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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