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Deportiert nach Mauthausen, Band 2
Seite - 537 -
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537Die Warschauer Deportierten von 1944 | «Bis zum Jahr 1944 arbeitete ich immer noch dort, in der Fabrik in Radomsko, und dann wurde ich ganz zufällig von den Deutschen mitgenommen. Das war so, dass nach dem Aufstand ein Transport aus Warschau unterwegs war und der Zug an der Güterwaggonrampe angehalten wurde. Dort sind Menschen zusammengelaufen, ich bin auch dorthin, vielleicht zu helfen oder so, jemand hat aus dem Zug einen Zettel geworfen und ich habe diesen Zettel aufgehoben. Ich stand noch nicht einmal aufrecht, da spürte ich schon eine Pistolenmündung an meinem Hals. Den Zettel haben sie mir weggenommen, ich weiß nicht einmal, was dort stand, auf jeden Fall warfen sie mir Mittäterschaft und Aufrufen zur Mitarbeit in kommunistenfreundlichen Orga- nisationen vor, und so gelangte ich als politischer Häftling nach Mauthausen.»50 Wacław Wilk-Wilczyński beschreibt im Einzelnen, wie einer dieser Transporte quer durch Polen nach Mauthausen verlief und welche Gefühle er dabei hatte : «Der Transport erfolgte in verschlossenen Güterwaggons. Die aus der Altstadt nach der Ka- pitulation mitgenommen wurden, hatten noch etwas Essen. Ich erinnere mich, dass man auf dem Weg, in Tschenstochau oder vielleicht Grodzisk, durch das Fensterchen hören konnte : Seht, da fährt Warschau, da fährt Warschau. Da empfand ich tiefes Leid. Warschau lag in Trümmern, alles niedergebrannt, ich habe kein Zuhause, keine Familie, nichts, nur das, was ich am Leib trage. Und auch das ist angesengt und zerrissen. Und hier gibt es Leben ! Die Menschen gehen, essen, trinken, teilen sogar mit uns das, was sie haben. Vielleicht kein nor- males Leben, aber irgendein Leben. Aber Warschau, meine Stadt, gibt es nicht mehr. Ich habe keine Zukunft, ich habe keine Jugendzeit  …»51 Der Weg nach Mauthausen führte auch über Auschwitz, wohin der Transport gebracht wurde, dem Henryk Matulko zugeteilt worden war. Hier, im Schatten der «rauchenden Schornsteine», wird aus dem beherzten Jungen, der während der Besatzung sehr gut zurechtkam, ein verlorener und eingeschüchterter Häftling, der noch dazu ohnmächtig zusehen muss, wie sein Vater geschlagen und gedemütigt wird. «Abends wurden wir an der Rampe in Auschwitz ausgeladen. Die Männer wurden von den Frauen getrennt. Ich verlor völlig die Orientierung. Ich wusste nicht, wo mein Vater war, wo meine Mutter. Man zog mich in irgendeine Gruppe hinein. Weibliche Häftlinge kamen zu uns, wir fragten sie, wo wir seien, was wir hier tun sollten, und sie zeigten auf die rauchenden Schorn- steine und sagten : ‹Da werdet ihr in die Freiheit hinausfliegen.› So wurden wir begrüßt. […]» «Unser Transport kam in Auschwitz am Abend an und diese ganze Aufnahme spielte sich schon in der Nacht ab. Die rauchenden Schornsteine waren gut sichtbar und die Stimmung, 50 AMM, MSDP, OH/ZP1/067, Interview mit Jerzy Pol, Interviewerin : Agnieszka Knyt, Warschau, 25. 6. 2002. 51 AMM, MSDP, OH/ZP1/390, Interview Wilk-Wilczyński. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Band 2
Titel
Deportiert nach Mauthausen
Band
2
Autoren
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Herausgeber
Melanie Dejnega
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Abmessungen
16.8 x 23.7 cm
Seiten
716
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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