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Deportiert nach Mauthausen, Band 2
Seite - 540 -
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540 | Katarzyna Madoń-Mitzner So geht Wacław Wilk-Wilczyński an die Frage nach seiner heutigen Ansicht über den Warschauer Aufstand distanziert heran und antwortet ehrlich, wie das bei seinen Erzählungen üblich gewesen zu sein scheint : «Meiner Meinung nach waren sämtliche Aufstände überflüssig. Auch der Warschauer Auf- stand. Aber damals waren wir überzeugt, dass das wichtig und unvermeidlich war. Jetzt be- trachte ich das mit den Augen eines Menschen, der das mitgemacht hat und aus Schaden klug wurde. Ich sehe, welche Folgen das hatte, und glaube, dass es sinnlos war.»55 Stefan Rzepczak antwortet auf die direkte Frage, wie er den Aufstand heute einschätze, ohne zu zögern, dass er notwendig gewesen sei und dass die polnischen Aufständi- schen sich dadurch als freie Menschen gefühlt hätten. Obwohl seine ganze Familie mit dem Konzentrationslager bezahlen musste, obwohl sein Vater dort umgekommen ist, trotz der entsetzlichen letzten Tage im Lager, die er als Muselman im Krankenrevier verbrachte, distanziert er sich nicht von der Tradition, die ihn geprägt hat. Sie ist für ihn eine Art Ikone und er macht seinem Vater und den Anführern des Aufstands keine Vorwürfe. Für Henryk Matulko wieder ist die Vergangenheit kein abgeschlossenes Thema, an das man distanziert herangehen könnte. Zum einen kann er seinen Eltern nicht verzei- hen, dass sie sich zur Rückkehr aus Frankreich entschlossen und dadurch (ungewollt) die ganze Familie zu einem Dahinvegetieren während der deutschen Besatzung und der traumatischen Lagerhaft verurteilt hatten. Zum anderen wirft er den Anführern der Aufständischen vor, sich zu einer selbstmörderischen Erhebung entschlossen zu haben, ohne die Zivilbevölkerung mit einzubeziehen. In einem privaten Gespräch sagte er, dass kein Tag vergehe, an dem er den Aufstand nicht verfluche. Er ist verbit- tert und kämpft noch immer mit dem Trauma und mit einem Schuldgefühl wegen des Todes seines Vaters und seiner Brüder. Nach seiner Rückkehr aus dem Lager wagte er es nicht, seiner Mutter zu sagen, dass sie tot sind. Auf die abschließende Frage, die wir allen unseren Interviewpartnern gestellt haben, «was sie den nächsten Generationen weitergeben möchten,» sagte Henryk Matulko : «Den nächsten Generationen ? Ich sage meiner Tochter immer, wenn wieder so etwas zu befürchten ist, wie zum Beispiel ein Aufstand, dann soll man nicht lange warten, wie sich die Sache entwickelt, sondern das Nötigste zusammenpacken und aus der Stadt fliehen.»56 Heute sind sie  – zumindest in Warschau  – die Wahrer des Gedenkens an das KZ Mauthausen-Gusen. Ihre leise, immer leiser werdende Stimme dringt nur schwach in das polnische kollektive Gedächtnis durch. Vielleicht deshalb, weil sie in einer anderen Tonart schwingt. 55 Ebd. 56 AMM, MSDP, OH/ZP1/739, Interview mit Henryk Matulko, Interviewer : Tomasz Gleb, 30. 11./2. 12. 2002. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Band 2
Titel
Deportiert nach Mauthausen
Band
2
Autoren
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Herausgeber
Melanie Dejnega
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Abmessungen
16.8 x 23.7 cm
Seiten
716
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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