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Deportiert nach Mauthausen, Band 2
Seite - 544 -
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544 | Alexander Prenninger Bezeichnung geprägt, um damit die extremen Bedingungen der Evakuierungsmärsche zu beschreiben, bei denen viele Häftlinge an Entkräftung starben oder von den Wach- mannschaften ermordet wurden. Im Besonderen wurden damit die Todesmärsche von Auschwitz und Groß-Rosen bezeichnet, die unter extremen klimatischen Bedingungen im Jänner/Februar 1945 stattfanden, sowie Evakuierungsmärsche, die in Massakern wie jenen von Gardelegen in Sachsen-Anhalt oder Volary (Wallern) in Südböhmen endeten.7 Ich bevorzuge hier den aus dem militärischen Sprachgebrauch stammenden Be- griff «Evakuierung» im Sinne der Räumung von bestimmten Gebieten, der eine gene- relle Qualifizierung aller Evakuierungstransporte als «Todesmärsche» vermeidet und stattdessen eine Differenzierung ermöglicht, die zeigt, dass nur bestimmte Evakuie- rungstransporte sich zu Todesmärschen mit hohen Opferzahlen entwickelten, andere Transporte dagegen nur wenige oder sogar gar keine Opfer forderten.8 Eine der- artige Differenzierung ermöglicht auch Antworten auf die von dem amerikanischen Historiker Marc Masurovsky aufgeworfene Frage, unter welchen Umständen sich eine Evakuierung zu einem Todesmarsch entwickelte.9 Seit Anfang der 1980er Jahre wurde von Forschern und Forscherinnen immer wie- der die Frage diskutiert, zu welchem Zweck das nationalsozialistische Regime bis zum endgültigen Zusammenbruch Hunderttausende Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge immer weiter in das Innere des Deutschen Reichs transportierte. Der is- raelische Historiker Yehuda Bauer argumentierte bereits in seinem frühen Artikel von 1983 zu den Todesmärschen, dass der steigende Bedarf an Sklavenarbeitern als Erklä- rung nicht ausreiche, sondern es sich um eine Fortsetzung der Massenvernichtung mit lin 1993 [1990], S. 1412–1416 ; Martin Broszat : Nationalsozialistische Konzentrationslager 1933–1945, in : Hans Buchheim et  al. (Hg.), Anatomie des SS-Staates. Gutachten des Instituts für Zeitgeschichte, Bd. 2, München 1984 [1965], S. 11–133, hier 132 ; Daniel Blatman : Die Todesmärsche 1944/45. Das letzte Kapitel des nationalsozialistischen Massenmords, Reinbek 2011 [2008], S. 27–29 ; Joshua Castellino : Death March, in : Dinah L. Shelton (Hg.), Encyclopedia of Genocide and Crimes Against Humanity, Bd. 2, London 2005, S. 226–229, hier 226. 7 Vgl. Diana Gring : Das Massaker von Gardelegen. Ansätze zur Spezifizierung von Todesmarschverbre- chen am Beispiel Gardelegen, in : Detlef Garbe/Carmen Lange (Hg.), Häftlinge zwischen Vernichtung und Befreiung. Die Auflösung des KZ Neuengamme und seiner Außenlager durch die SS im Frühjahr 1945, Bremen 2005, S. 155–167. 8 Meyers Konversationslexikon, Leipzig/Wien 1885–1892, Bd. 5, S. 944 f. Hans Schulz/Otto Basler (Hg.) : Deutsches Fremdwörterbuch, Bd. 5, Berlin 2004, S. 327–328. Zum spezifisch nationalsozialistischen Ge- brauch des Begriffs Evakuierung vgl. Cornelia Schmitz-Berning : Vokabular des Nationalsozialismus, Berlin/New York 2000, S. 219 f. Zu den sog. «Luftkriegsevakuierungen» siehe Katja Klee : Im «Luftschutz- keller des Reiches». Evakuierte in Bayern 1939–1953 : Politik, soziale Lage, Erfahrungen, München 1999 (Schriftenreihe der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, 78), S. 27. 9 Marc Masurovsky : Visualizing the Evacuations from the Auschwitz-Birkenau Camp System : When Does an Evacuation Turn Into a Death March ?, in : Jean Luc Blondel et  al. (Hg.), Freilegungen. Auf den Spuren der Todesmärsche, Göttingen 2012 (Jahrbuch des Internationalen Tracing Service, 1), S. 108–121. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Band 2
Titel
Deportiert nach Mauthausen
Band
2
Autoren
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Herausgeber
Melanie Dejnega
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Abmessungen
16.8 x 23.7 cm
Seiten
716
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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