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Deportiert nach Mauthausen, Band 2
Seite - 549 -
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549Evakuierungslager Mauthausen | ten hat er auseinandergejagt. Und nicht nur meine, da waren weiß Gott wie viele Leute hinter uns [weint] und alle wurden verjagt, damit keiner von uns flüchtet.»29 Nach der Erinnerung von Nadeschda Tereschtschenko dauerte der Transport wahr- scheinlich zwei Tage. Männer und Frauen waren in den Waggons getrennt unterge- bracht. Der Zug hielt immer wieder an und die Deportierten bekamen Verpflegung. Sie berichtet auch, dass auf der Fahrt einige Frauen geflüchtet sind : «Sie sind aus dem Fenster gesprungen und wir hören nur : Paff. Vielleicht haben sie sie umgebracht, viel- leicht daneben [geschossen], wer weiß. Sie haben geschossen.»30 Auch Galina Siwoded erzählt von diesen Fluchten : «Dort war bei einem Waggon aus irgendeinem Grund sogar die Tür offen. Na, das war wahr- scheinlich abgesprochen, mit diesen/. Wahrscheinlich gab es unter den Polizeilern auch wel- che, die mit uns zusammengearbeitet haben. Die Tür war offen, sie sind hinausgesprungen. Und manche sind zum Fenster hinausgesprungen, hinausgeklettert. […] Und Wera Neumy- wako, na, sie war schwer krank, sie hätte hinausklettern sollen, aber eine hat einen Aufstand gemacht : ‹Schluss damit !› Einige sind hinausgesprungen.»31 Ljudmila Stanewa kann sich dagegen nicht an Fluchtversuche erinnern ; sie berichtet, dass die Türen fest verschlossen und die Fenster mit Stacheldraht bewehrt waren. Mög- licherweise befand sie sich in einem anderen Waggon. Über Todesfälle in den Waggons wird in keinem der vorliegenden Interviews berichtet. Nach der Ankunft in Mauthau- sen wurden alle registriert ; da Mauthausen zu diesem Zeitpunkt aber ein reines Män- nerlager war, überstellte man die 187  Frauen zwölf Tage später nach Auschwitz . Der Transport von der Ostfront direkt nach Mauthausen war kein Einzelfall. Ähn- liche Transporte gingen im August und September 1943 von Dnepropetrowsk und anderen ukrainischen Städten in die Konzentrationslager Buchenwald, Dachau und Groß-Rosen.32 Dass die Bevölkerungen ganzer Landstriche in Durchgangs- und Kon- zentrationslager evakuiert wurden, beweist auch ein Dokument von Mitte August 1943, mit dem die Evakuierung eines Gebiets südlich von Witebsk (Wizebsk) befohlen 29 Ebd., Z. 521–535. 30 Ebd., Z. 503–505. 31 AMM, MSDP, OH/ZP1/462, Interview mit Galina Korpowna Siwoded, Interviewerin : Alena Koslowa, Saporoschje, 27. 9. 2002, Übersetzung, Z. 727–736. 32 Harry Stein : Konzentrationslager Buchenwald 1937–1945, Göttingen 1999, S. 156 f. Vgl. Komitee der Antifaschistischen Widerstandskämpfer in der DDR (Hg.) : Buchenwald. Mahnung und Verpflichtung. Dokumente und Berichte, Berlin 41983, S. 240 f., wonach im KZ Buchenwald im Herbst 1943 neun Trans- porte mit ca. 5400 Häftlingen aus den besetzten Gebieten der Sowjetunion eintrafen, in denen sich auch Frauen und Kinder befanden. Strebel, KZ Ravensbrück, S. 150, erwähnt drei Transporte von sowjetischen Frauen aus Dnepropetrowsk und Nikolajew (Mykolajiw), die im September und Oktober 1943 über Bu- chenwald in Ravensbrück eintrafen. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Band 2
Titel
Deportiert nach Mauthausen
Band
2
Autoren
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Herausgeber
Melanie Dejnega
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Abmessungen
16.8 x 23.7 cm
Seiten
716
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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