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551Evakuierungslager
Mauthausen |
kam.36 Ab Februar 1944 wurden infolge dieser militärischen Entwicklung die ersten
Außenlager des Konzentrationslager Vaivara im östlichen Estland geräumt und die
Häftlinge in weiter im Westen gelegene Außenlager transportiert (v. a. in das bei Tallin
gelegene Lager Lagedi).37 Nach der Befreiung von Minsk am 3. Juli rĂĽckte die Rote
Armee in der ersten Julihälfte 1944 nach Litauen vor und stand Mitte Juli wenige Kilo-
meter vor Vilnius. Der Vormarsch der sowjetischen Armeen nach Litauen fĂĽhrte zur
Evakuierung das KZ-Lagersystems Kaunas in ebendiesem Zeitraum.38 Als die Rote Ar-
mee Ende Juli schlieĂźlich westlich von Riga die Ostsee erreichte und die Heeresgruppe
Nord eingeschlossen wurde, begann am 6. August 1944 auch die Räumung des Stamm-
lagers und der AuĂźenlager von Riga-Kaiserwald. Die letzten Konzentrationslager im
Baltikum wurden Mitte September bis Oktober 1944 evakuiert, als der RĂĽckzug der
deutschen Truppen aus Estland begann.39
Die Häftlinge aus den Konzentrationslagern Vaivara und Riga wurden zum Großteil
in das Konzentrationslager Stutthof bei Danzig evakuiert – zumeist per Schiff – und
von dort im November 1944 auf andere Konzentrationslager im Reich verteilt ; jene
aus dem Konzentrationslager Kaunas kamen nach Auschwitz und Dachau (vor allem
in den Außenlagerkomplex Kaufering). Die Auflösung der litauischen Lager war mit
zahlreichen Massakern verbunden ; die Mehrzahl der Häftlinge in den Rigaer Außen-
lagern in Vilnius waren in den ersten Julitagen in Ponary oder in Kaunas erschossen
worden. Vorausgegangen war der Evakuierung dieser Lager die Vernichtung der Spu-
ren der Massenvernichtung. Bereits im Herbst 1943 mussten Häftlinge des KZ Riga-
Kaiserwald die Leichen in den Massengräbern um Kaunas, ab Anfang 1944 auch um
Riga ausgraben und verbrennen. In der ersten Jahreshälfte 1944 kam es im KZ Riga
zu zahlreichen «Aktionen», bei denen alte, kranke und schwache Häftlinge sowie alle
Kinder ermordet wurden, um Aufnahmekapazitäten für Häftlinge aus den evakuierten
Lagern zu schaffen.40
Über mehrere Zwischenstationen kam eine Gruppe jüdischer männlicher Jugend-
licher – die heute als die «131 Kovno Boys» bezeichnet werden – aus dem Ghetto bzw.
36 Karl-Heinz Frieser : Das Ausweichen der Heeresgruppe Nord von Leningrad ins Baltikum, in : ders. (Hg.),
Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Bd. 8, S. 278–298 und Karte S. 345.
37 Ruth Bettina Birn : Vaivara – Stammlager, in : Wolfgang Benz/Barbara Distel (Hg.), Der Ort des Terrors.
Bd. 8 : Riga-Kaiserwald, Warschau, Vaivara, Kauen (Kaunas), Płaszów, Kulmhof/Chełmno, Bełżec, Sobi-
bór, Treblinka, München 2008, S. 131–147, sowie die Artikel zu den Außenlager, ebd., S. 149–183.
38 Jürgen Matthäus : Kauen (Kaunas) – Stammlager, in : Benz/Distel (Hg.), Ort des Terrors, Bd. 8, S. 189–
208, sowie die Artikel zu den Außenlager, ebd., S. 298–232, sowie Christoph Dieckmann : Das Ghetto
und das Konzentrationslager in Kaunas 1941–1944, in : Herbert et al. (Hg.), Die nationalsozialistischen
Konzentrationslager, S. 439–471.
39 Karl-Heinz Frieser : Der Zusammenbruch der Heeresgruppe Mitte im Sommer 1944, in : ders. (Hg.), Das
Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Bd. 8, S. 526–603, hier v. a. 558–566 u. 570 sowie Karten S. 572,
580 u. 645 ff.
40 Franziska Jahn : Riga-Kaiserwald – Stammlager, in : Benz/Distel (Hg.), Ort des Terrors, Bd. 8, S. 17–63,
sowie die Artikel zu den Außenlager, ebd. S. 65–87.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen
Band 2
- Titel
- Deportiert nach Mauthausen
- Band
- 2
- Autoren
- Gerhard Botz
- Alexander Prenninger
- Regina Fritz
- Herausgeber
- Melanie Dejnega
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21216-4
- Abmessungen
- 16.8 x 23.7 cm
- Seiten
- 716
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen