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Deportiert nach Mauthausen, Band 2
Seite - 553 -
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553Evakuierungslager Mauthausen | August kamen noch mehrere kleine Transporte aus Majdanek nach Mauthausen.45 Der letzte Transport mit 800  Häftlingen verließ Majdanek am 22. Juli ; dem Evakuierungs- marsch wurden auch 229  Häftlinge aus dem Außenlager Lublin-Lipowastraße ange- schlossen. Nur zwei Tage später wurde Lublin von sowjetischen Truppen besetzt und etwa tausend sowjetische Kriegsgefangene in Majdanek befreit. Sowjetische Berichte aus dem ersten großen von den Alliierten befreiten Konzentrationslager wurden von den Westalliierten skeptisch aufgenommen, wenn nicht als stalinistische Gräuelpropa- ganda abgetan. Zahlreiche Häftlinge aus Majdanek gelangten nicht direkt nach Mauthausen, son- dern über Umwege und weitere Lagerevakuierungen. Ein Beispiel dafür ist das Schick- sal des Niederländers Martinus van der Willik. 1917 in Südholland geboren, war van der Willik zu Beginn des Krieges Pilot der niederländischen Luftwaffe, geriet im Mai 1940 in Kriegsgefangenschaft, aus der er nach kurzer Zeit entlassen wurde. Als er zum Arbeitsdienst im Deutschen Reich verpflichtet wurde, flüchtete er nach Frankreich, wo er im April 1943 beim Überqueren der Demarkationslinie verhaftet wurde. Über das Sammellager Compiègne wurde er im Juni in das KZ Buchenwald deportiert und Ende Jänner 1944 nach Majdanek überstellt. Sein weiterer Weg führte ihn in mehrere Au- ßenlager in Lemberg. Als die Evakuierung dieser Außenlager begann, befand er sich im Lager Puławy. Dieses Lager, in dem nach der «Aktion Erntefest» nur ein kleines Kommando von Häftlingen verblieben war, wurde bereits fünf Tage nach seiner An- kunft, am 22. Juli 1944, nach Auschwitz evakuiert.46 Die ca. 30  Häftlinge wurden mit Lastwagen in das Lubliner Außenlager Radom ge- bracht, das seinerseits zwischen dem 26. und 29. Juli evakuiert wurde. Etwa 2500 bis 3000 Häftlinge mussten zu Fuß Richtung Westen marschieren. Zahlreiche Häftlinge sollen auf diesem Marsch ermordet worden sein ; nach einigen Berichten sollen sogar nur 200  Häftlinge Auschwitz erreicht haben.47 «Ja, dann mussten wir alle marschieren. –  –  – Und wenn dann/ dann wurde gesagt : ‹Der jenige, der nicht mehr laufen kann, der geht zum Pferdewagen.› Der braucht nicht marschieren, der geht / kann mitfahren, und wenn dann der Wagen voll war, dann gingen sie in den Wald, und 45 Das einzige MSDP-Interview mit einem Überlebenden des Transports vom 7. Juli 1944, Wladimir Karsin, wurde bisher nicht transkribiert und übersetzt. 46 Evelyn Zegenhagen : Pulawy [aka Pulawy Stadt], in : Geoffrey P. Megargee (Hg.), The United States Holo- caust Memorial Museum Encyclopedia of Camps and Ghettos, 1933–1945, Vol. I/B : Early Camps, Youth Camps, and Concentration Camps and Subcamps under the SS-Business Administration Main Office (WVHA), Bloomington, IN/Indianapolis 2009, S. 891 f. 47 Verena Walter : Radom, in : Benz/Distel (Hg.), Ort des Terrors, Bd. 7,  S. 96–98. Die Angabe, dass nur ca. 200  Häftlinge den Marsch überlebt haben, wird dort zit. nach Sebastian Piątkowski : Obóz pracy przy Ul. Szkolnej Radomiu (1942–1944) [Das Arbeitslager in der Szkolnastraße in Radom 1942–1944], in : Zeszyty Majdanka 19 (1998), S. 41–50, hier 50. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Band 2
Titel
Deportiert nach Mauthausen
Band
2
Autoren
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Herausgeber
Melanie Dejnega
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Abmessungen
16.8 x 23.7 cm
Seiten
716
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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