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Deportiert nach Mauthausen, Band 2
Seite - 557 -
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557Evakuierungslager Mauthausen | «Dann luden sie uns auf, um nach Mauthausen gebracht zu werden. Wir wussten natürlich nicht, dass wir nach Mauthausen fahren würden. Und sie brachten uns zu einem Bahnhof und luden uns zu Viehwaggons. Viele Viehwaggons. Der Sommer war sehr heiß, sehr heiß, und jeder/war 100 und drei Personen in jedem Viehwagen, 103, 103  Personen in jedem Vieh- wagen. Es war sehr heiß und die Leute schrien und weinten, ‹Wasser, Wasser !›. Und alles, was Sie hören konnten, ist ‹Wasser !›. Und Sie konnten ‹Sh’ma Yisrael› hören. – Das ist ein Gebet. Wasser. Also, ein kluger Nazi, ich weiß nicht, ob er es aus Bosheit getan hat oder was auch immer es ist. Als Nächstes weiß ich nur, das sind Schläuche mit Wasser, das auf die Dächer der metallenen Viehwagen strömt. Nun ah, ich weiß nicht, ob Sie wissen, wann Sie Wasser auf einen Herd stellen, was passiert. Heißer Ofen. Wasser wird kochen, Dampf wird austreten. Also, als sie das Wasser darüber gossen, anstatt uns Wasser in Eimern zu geben oder was auch immer Sie wollen, oder die Tür zu öffnen, besprühen sie uns mit kaltem Wasser. Die Türen wurden geschlossen, und wir waren stundenlang darinnen, Stunden und Stunden, und Was- ser kam auf die Viehwaggons. Und die Leute starben.»58 Auch Ignaz Wachtel erinnert sich, dass die Hitze unerträglich war und die Häftlinge kein Wasser hatten : «Aber es war sehr, sehr, ein heißer Sommer. Sehr [betont] ein heißer. Und wie/ Man hat uns gegeben Brot, mit Marmelade, mit alles Mögliche, aber nichts zum Trinken. Das war was Fürchterliches [betont] ! Wir haben alle bekommen hier Flecken, und, und, und mein Vater, meine Mutter, und wo wir sind stehen geblieben, wissen Sie schon, in Niederösterreich. In St. Pölten, oder Wiener Neustadt, und wir haben so geschrien ‹Wasser ! Wasser ! Wasser !›, und dort waren Brunnen mit Wasser, haben sie uns ges/ die Frauen, nicht, haben sie das Was- ser genommen, haben die geschrien ‹Das sind keine Häftlinge da, das sind Kriegs/ das sind, das sind, äh, nur Verbrecher !› Das  – das Ärgste vom Ärgsten ! Und wir sind so weitergefahren bis nach Mauthausen.»59 Mieczysław Staner, der zusammen mit seinem Vater ebenfalls von Płaszów nach Maut- hausen evakuiert wurde, erinnert sich an den Gestank, die große Enge in den Waggons und dass viele starben : «Wir fuhren drei Tage und drei Nächte dorthin. In den Güterwaggons eingepfercht wie Kälber mussten wir stehend unter uns hinmachen. Gestank. Wir fuhren ohne Wasser. Die Menschen 58 AMM, MSDP, OH/ZP1/303, Interview mit Jack Betteil, Interviewerin : Sara Ghitis, Bayside, NY, 22. 8. 2002, Transkript, Z. 262–281. Steven Spielberg hat diese Szene in „Schindlers Liste“ verfilmt, ihr jedoch eine positive Bedeutung gegeben, indem Oskar Schindler unter dem Gelächter der SS Wasser auf die Waggons spritzen lässt und die darin eingesperrten Häftlinge gierig davon trinken. 59 AMM, MSDP, OH/ZP1/361, Interview mit Ignaz Wachtel, Interviewerin : Helga Amesberger, Wien, 23. 10. 2002, Transkript, S. 4, Z. 3–12. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Band 2
Titel
Deportiert nach Mauthausen
Band
2
Autoren
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Herausgeber
Melanie Dejnega
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Abmessungen
16.8 x 23.7 cm
Seiten
716
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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