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Deportiert nach Mauthausen, Band 2
Seite - 562 -
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562 | Alexander Prenninger Wasser mit Pfefferminz. Jemand reichte uns eine Flasche Wasser mit Pfefferminz durch die- ses Fensterchen. Das war sehr gut, denn neben uns war eine Frau, die hatte einen/ starken Durchfall. Eine junge Frau und/ und man musste ihr eben etwas zu trinken geben, sie war schon sehr entwässert.»70 Irena Norwa erzählt auch, dass die beschwerliche Fahrt einigermaßen erträglich war, da ihre Mutter vorgesorgt hatte und genügend Lebensmittel dabei hatte. Ihre Mutter war «erfahren, was das Reisen unter solchen Bedingungen betrifft», da sie während des Ers- ten Weltkriegs nach Russland deportiert worden war. Die Schilderungen beider Frauen beinhalten ähnliche Elemente : die Enge in den Güterwaggons, den Mangel an Wasser, auch die hygienischen Bedingungen ; eindrücklicher waren jedoch die Erfahrun gen bei der Ankunft in Mauthausen, wo vor allem der Anblick der abgemagerten KZ-Häftlinge für viele eine Schockwirkung hatte. Während ein Großteil der männlichen Deportier- ten aus Warschau in den Häftlingsstand des Lagers übernommen wurde, durften die Frauen und Kinder und wahrscheinlich auch ein Teil der Männer das Lager bald wie- der verlassen und wurden als zivile Zwangsarbeiter und -arbeiterinnen auf den Gau Oberdonau verteilt.71 Zusammenfassend kann für diese erste Phase der Auflösung des KZ-Systems zwei- erlei festgestellt werden. Einerseits muss unterschieden werden zwischen Evakuie- rungstransporten, die in direktem Zusammenhang mit der Auflösung von Konzent- rationslagern standen, wie jene aus Majdanek und Płaszów, und Transporten, die der Vorbereitung der Evakuierung zuzurechnen sind, wie die Transporte aus Auschwitz. Letztere sind eher im Zusammenhang mit der Verschiebung von Häftlingen inner- halb des KZ-Systems zu sehen, die sich aus dem Bedarf an Zwangsarbeitern ergaben. Im Gegensatz dazu sind die «Warschauer Transporte» eher den im vorigen Abschnitt geschilderten Evakuierungen zuzuordnen. Für die «eigentlichen» Evakuierungstrans- porte war Mauthausen ein nachrangiger Zielort. Die Erfahrungen der Überlebenden können ebenfalls entsprechend dieser Kategorisierung unterschieden werden. Sowohl die Transporte aus Auschwitz wie jene aus Warschau erfolgten unter für die Häftlinge unerträglichen Bedingungen, sie führten jedoch, soweit aus den vorliegenden Berich- ten hervorgeht, zu keinen Todesfällen. Dem stehen die Erfahrungen jener Überle- benden gegenüber, die die Evakuierungstransporte aus Majdanek und Płaszów erlebt hatten. Hier begann sich jenes «Evakuierungs- bzw. Räumungsmuster» (Blatman) ab- zuzeichnen, das im nächsten Abschnitt bestimmend wird. 70 AMM, MSDP, OH/ZP1/597, Interview mit Irena Norwa, Interviewerin : Monika Kapa-Cichocka, War- schau, 1./22. 7. 2002, Übersetzung, Z. 337–359. 71 Vgl. Andreas Baumgartner : Die vergessenen Frauen von Mauthausen. Die weiblichen Häftlinge des Kon- zen trationslagers Mauthausen und ihre Geschichte, Wien 1997, S. 122–126 ; Amesberger/Halbmayr, Weib- liche Häftlinge im KZ Mauthausen, S. 32 u. 78 f. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Band 2
Titel
Deportiert nach Mauthausen
Band
2
Autoren
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Herausgeber
Melanie Dejnega
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Abmessungen
16.8 x 23.7 cm
Seiten
716
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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