Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Historische Aufzeichnungen
Deportiert nach Mauthausen, Band 2
Seite - 567 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 567 - in Deportiert nach Mauthausen, Band 2

Bild der Seite - 567 -

Bild der Seite - 567 - in Deportiert nach Mauthausen, Band 2

Text der Seite - 567 -

567Evakuierungslager Mauthausen | «Dann wurde das Magazin gestürmt, da haben die auch nichts dagegen gehabt, denn das wäre ja sowieso den Russen alles in die Hände gefallen. Da hat man ein bisschen ah Brot und Zucker,  – ich weiß nicht was wir noch hatten, na, man vergisst auch viel. [lacht kurz] Ja und so sind wir dann  – vor uns sind dann schon viele Kolonnen marschiert.»79 Aufgrund seiner Funktion im Arbeitseinsatzbüro des DAW-Werkes in Auschwitz er- fuhr Jakob Maestro bereits frühzeitig von der geplanten Evakuierung und versuchte sich ebenfalls mit Lebensmitteln zu versorgen : «Ich wusste schon vorher, was geschieht. Da mein Büro hatte/eine Wand trennte zwischen uns und, was soll ich sagen, wie sollen wir es nennen, Kantine, oder Restaurant, oder –  –  –. Es wurde Führerheim genannt, […] dort gab es auch ein Radio, und ich habe mein Ohr an die gemeinsame Holzwand gedrückt, die von meinem Büro und dem Führerheim, da habe ich gelegentlich gehört : ‹Planmäßig geräumt, planmäßig geräumt.› Planmäßig  – das heißt nach Plan, Rückzug nach Plan, Rückzug nach Plan. So habe ich erfahren und es allen weitergeleitet, was auf der Front geschieht. Daher wusste ich, dass auch wir an die Reihe zum Rückzug kommen werden. Da habe ich begon- nen mancherlei Sachen vorzubereiten, […] dass ich Lebensmittel vorbereitet habe und Wasser.»80 Maestro überlegte allerdings, ob es nicht klüger wäre, sich im Lager zu verstecken und auf die Ankunft der Roten Armee zu warten : «Der Entschluss, sich der Räumung anzuschließen, war schwer. Warum ? Viele Leute wollten sich in Auschwitz verstecken. Einerseits,  – es gab die Möglichkeit, sich zu verstecken. An- dererseits, man hatte Angst, dass sie mit Hunden kommen werden und einen finden  – und das ist der sichere Tod. Zum Schluss hat der Pole, Poźimski, beschlossen, dass/ dass wir uns anschließen ; ist weniger gefährlich. Da er mehr wusste als alle  – er wohnte in der Gegend, sprach die polnische Sprache  – und wenn er sich entschließt, nicht in Auschwitz zu bleiben, ja, da haben wir uns auch dazu entschlossen.»81 Wäre Maestro im Lager geblieben, hätte er eine Woche später die Befreiung durch die Rote Armee erlebt. Die Überlegung seines Mithäftlings, dass es weniger gefährlich wäre, sich den Marschkolonnen anzuschließen, ist jedoch durchaus verständlich : Die zurückgebliebenen Häftlinge, viele von ihnen krank und zu schwach, um zu gehen, waren überzeugt, dass sie ermordet würden. In einigen Außenlagern ist dies auch tat- sächlich geschehen.82 79 AMM, MSDP, OH/ZP1/225, Interview mit Charlotte Tetzner, Interviewerin : Julia Obertreis, Gersdorf, 24. 7. 2002, Z. 414–422. 80 AMM, MSDP, OH/ZP1/299, Interview mit Jakob Maestro, Interviewerin : Keren Harazi, Bat Jam, 17. 6. 2002, Übersetzung, Z. 1686–1697. 81 Ebd., Z. 1734–1740. 82 Vgl. Blatman, Die Todesmärsche 1944/45, S. 155. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
zurĂĽck zum  Buch Deportiert nach Mauthausen, Band 2"
Deportiert nach Mauthausen Band 2
Titel
Deportiert nach Mauthausen
Band
2
Autoren
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Herausgeber
Melanie Dejnega
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Abmessungen
16.8 x 23.7 cm
Seiten
716
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Deportiert nach Mauthausen