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Deportiert nach Mauthausen, Band 2
Seite - 571 -
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571Evakuierungslager Mauthausen | Die geringen Chancen, als flüchtiger KZ-Häftling zu überleben, sprach auch Agnes Frank an : «Wir waren Gottes Gnade ausgeliefert, denn es gab nicht einmal einen Ort, wohin man flüch- ten konnte, und wenn man flüchtete, was machte man, sie brachten dich auf dem Weg um. Ich erinnere mich, dass einmal auf einer dieser Reisen, weil wir kamen überall hin. Einmal waren wir in Pilsen, in Tschechien. Gut, da meine Mama slowakischer Herkunft war, konnte sie sprechen, also sagten wir im Waggon : ‹Mädchen, warum laufen wir nicht davon ?› Dann sagte meine Mama : ‹Wohin in dem gestreiften Kleid ? Beim ersten Schritt  …› Es gab viele Mädchen, die aus dem Zug ausstiegen, und sie brachten sie um. Aber es ist nicht so, dass wir in Pilsen blieben, nein, der Zug blieb stehen. Und die, die ausstiegen, die brachten sie um. Und dann : Wo gehe ich hin, rasiert und mit dem Kleid in der Nacht ? Also gab es nicht einmal die Möglichkeit, davonzulaufen.»93 Ein polnischer Mithäftling von Jakob Maestro überlegte eine Flucht, als die Kolonne durch eine Gegend kam, die er kannte : «In dieser Nacht, sind/sind wir /sind wir an einer kleinen polnischen Ortschaft vorbei, wo dieser Poźimski, der mit uns zusammen war, sagt : ‹Ich kenne die Gegend, wenn/ist neben meinem Haus. – Wenn ich euch sage, versuchen wir zu entkommen.› Es verging etwa eine Stunde, es war dunkel. Wir begannen Schüsse zu hören von Leuten, von anderen Polen, die versucht hatten zu entkommen und niedergemetzelt wurden. Er hat auf diesen Gedanken verzichtet.»94 Der Wiener Fritz Kleinmann, der mit seinem Vater über Buchenwald nach Auschwitz gekommen war, befand sich zuletzt im Lager Monowitz, das nach Gleiwitz evakuiert wurde. Kleinmann hatte bereits vor der Evakuierung seine Flucht geplant. Auf öster- reichischem Gebiet, wo er sich auskannte, gelang es ihm, aus dem Zug zu springen : «Ja, da habe ich mir  – Zivilkleider verschafft und ein Geld habe ich mir schon organisiert ge- habt und bin dann beim Zug/. Ich habe immer mit dem Vater gesagt/. Haben wir vereinbart, dass ich flüchten werde. Ich habe zwar nicht gewusst, wer mich verstecken wird, aber ich bin dann hinter Amstetten vom Zug rausgesprungen. Da haben wir einen Toten rausgehaut. Wir sind in offenen Waggons transportiert worden bei 15, 20  Grad Minus. Haben wir einen Toten rausgehaut, und wie die SS nicht geschossen hat, bin ich rausgesprungen. Bin dann bis Blindenmarkt/. Da habe ich mir dort eine Fahrkarte gekauft. Der hat geschaut. Und  – bin dann in einen Zug eingestiegen, das war ein Fronturlauber Zug. – Und da ist die Militärstreife gekommen, weil ich als Zivilist bei Ihnen gesessen/ Und die haben Passierscheine gehabt. Ich 93 AMM, MSDP, OH/ZP1/751, Interview Frank de Klein, Z. 1179–1193. 94 AMM, MSDP, OH/ZP1/299, Interview Maestro, Z. 1770–1774. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Band 2
Titel
Deportiert nach Mauthausen
Band
2
Autoren
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Herausgeber
Melanie Dejnega
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Abmessungen
16.8 x 23.7 cm
Seiten
716
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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