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574 | Alexander Prenninger
rapiden Anstieg der Häftlingszahlen dramatisch ; als besonders schlecht werden vor
allem die Zustände im Zeltlager erinnert. Die überwiegende Mehrheit der Häftlinge
wurde aber vom Stammlager auf die Außenlager verteilt, wo sie vor allem beim Bau
oder in der Produktion der Verlagerungsprojekte in Gusen II, Melk und Ebensee ein-
gesetzt wurden. Mehrere Tausend Häftlinge, die aus den KZ-Komplexen Auschwitz
und Groß-Rosen in andere Konzentrationslager evakuiert wurden, erreichten das KZ
Mauthausen mit weiteren Evakuierungstransporten noch von März bis Anfang Mai
1945.
Evakuierungstransporte aus dem Inneren des Reichs (Februar–Mai 1945)
Bereits im Jänner 1945 begannen auch die ersten Evakuierungen von Außenlagern
der KZ-Komplexe im Inneren des Deutschen Reichs. Die sowjetische Offensive vom
12. Jänner 1945, die die Evakuierung von Auschwitz und Groß-Rosen ausgelöst hatte,
führte die Rote Armee bis an die Oder. Im Westen rückten die alliierten Armeen bis
Anfang März an Rhein und Mosel vor. Die Eroberung und Besetzung des Reichsgebiets
löste Ende März, Anfang April eine neuerliche Evakuierungswelle von KZ-Lagern,
aber auch Gefängnissen, Zwangsarbeits-, Arbeitserziehungs- und Kriegsgefangenen-
lagern aus. Die Zielorte konzentrierten sich in zwei Richtungen : Zum einen war dies
Norddeutschland, wo Bergen-Belsen das größte Auffanglager war. Nach der Übergabe
Bergen-Belsens an die britische Armee am 15. April wurden die Evakuierungstrans-
porte und -märsche nach Norden in den Raum Lübeck–Schwerin dirigiert. Die zweite
Zielrichtung der Transporte war der süddeutsche Raum mit den Aufnahmelagern Da-
chau und Mauthausen. Die Häftlinge von Dachau und seinen Außenlagern wurden
schließlich noch auf Evakuierungsmärsche weiter nach Süden in die Alpen gezwungen.
Die letzten Evakuierungstransporte führten schließlich nach Leitmeritz (Litoměřice)
und Theresienstadt im Protektorat Böhmen und Mähren, den noch am weitesten von
den Alliierten entfernten Gebieten.
Nach Mauthausen gelangten in den letzten Monaten vor der Befreiung zunächst
die bereits erwähnten Transporte aus den Konzentrationslagern Sachsenhausen und
Ravensbrück. Beide Lager waren durch Evakuierungstransporte aus den Lagern im
Osten völlig überfüllt und die Lagerverwaltungen trachteten danach, die Anzahl der
Häftlinge zu reduzieren.
Sachsenhausen–Mauthausen
Von Sachsenhausen, für das Himmler am 31. Jänner den Evakuierungsbefehl erteilte,
wurden bereits im Februar ca. 16.000 Häftlinge in andere Lager im Reich überstellt ; ca.
4000 Häftlinge erreichten am 15. bzw. 26. Februar Mauthausen. Ein Teil dieser Häft-
linge stammte aus dem Außenlager Lieberose, das am 2. Februar mit einem Evakuie-
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen
Band 2
- Titel
- Deportiert nach Mauthausen
- Band
- 2
- Autoren
- Gerhard Botz
- Alexander Prenninger
- Regina Fritz
- Herausgeber
- Melanie Dejnega
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21216-4
- Abmessungen
- 16.8 x 23.7 cm
- Seiten
- 716
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen