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Deportiert nach Mauthausen, Band 2
Seite - 578 -
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578 | Alexander Prenninger Walentina Sechina erinnert sich, dass die Baracken gesprengt wurden : «Wir haben uns gedacht : Sie werden uns irgendwohin in den Wald führen und erschießen.»113 Die Frauen wurden jedoch in das Stammlager gebracht und ein Teil dem Transport nach Mauthausen zugeteilt. Auch unter den französischen NN-Häftlingen gab es Befürch- tungen, dass die Ankündigung eines Transports den Tod bedeuten könnte. Im Lager ging das Gerücht um, so Marie-José Chombart de Lauwe, «dass das ein schwarzer Kon- voi sei, das heißt ein schlechter Konvoi».114 Viele Frauen berichten, dass für den Trans- port, der fünf Tage dauern sollte, nur wenig Verpflegung ausgegeben wurde  – ein Brot, ein Stück Wurst, ein wenig Wasser  –, die nicht lange reichte. Für einige Frauen war es der erste Transport in Güterwaggons : «Das war ein Viehwaggon, von denen man so viel gesprochen hat, diese Horrorwaggons», erzählt Gisèle Guillemot.115 Sie berichtet, wie schwierig es war, fünf Tage in diesen Waggons durchzustehen : «Es ist nicht leicht gewesen. Zuerst haben wir angefangen, uns zu streiten, uns beinahe zu prügeln und : ‹Du hast mir deinen Fuß ins Gesicht geknallt !› Und : ‹Kannst du nicht aufpas- sen ! Du hast daneben anstatt in den Kübel gepinkelt !› Was weiß ich, lauter solche Sachen. Darauf haben/haben da einige die Führung des Unternehmens übernommen, und wir sind abwechselnd an den kleinen Löchern, der/der/die in der Wand waren, durchatmen gegangen, wir haben uns abwechselnd niedergelegt, kurzum, wir haben das Überleben organisiert. Aber in den anderen Waggons ist das nicht so abgelaufen und es hat Tote gegeben.»116 Diese Erzählung steht allerdings auch in einer langen Erinnerungstradition der fran- zösischen Überlebenden von Ravensbrück, in der die Gemeinschaft dieser Gruppe im Lager und die gegenseitige Hilfe gegenüber den im ersten Teil des Zitats berichteten Konflikten überbetont wird. In fast allen Berichten wird erzählt, dass der Transport in Mauthausen ankam, als es bereits dunkel war, dass für die Toten, die Kranken und Schwachen Lastwägen bereit- standen, alle anderen zu Fuß ins Lager marschieren mussten und auf dem Weg noch viele Frauen ermordet wurden. Beispielhaft sei hier die Französin Jeanne Bonneaux zitiert : «Und dann haben sie die Türen aufgemacht. Also, da sind Leichen umgefallen, Verrückte, die sie umgebracht haben, nicht, die sie auf die Seite legten. Wir haben sie nie wieder gesehen. Und sie haben zu uns gesagt : ‹Was/ wenn es einige gibt, die zu schwach sind, um hinaufzu- 113 AMM, MSDP, OH/ZP1/253, Interview mit Walentina Romanowna Sechina, Interviewer : Kirill Wasi- lenko, Donezk, 13. 6. 2002, Übersetzung, Z. 238 f. 114 AMM, MSDP, OH/ZP1/325, Interview mit Marie José Chombart de Lauwe, Interviewerin : Julia Mon- tredon, Antony, 28. 10. 2002, Übersetzung, Z. 2108 f. Ähnlich auch Gisèle Guillemot. 115 AMM, MSDP, OH/ZP1/331, Interview mit Gisèle Guillemot, Interviewerin : Julia Montredon, Seillans/ Paris, 1. 8./26. 9. 2002, Übersetzung, Z. 495 f. 116 Ebd., Z. 2351–2357. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Band 2
Titel
Deportiert nach Mauthausen
Band
2
Autoren
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Herausgeber
Melanie Dejnega
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Abmessungen
16.8 x 23.7 cm
Seiten
716
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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