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Deportiert nach Mauthausen, Band 2
Seite - 581 -
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581Evakuierungslager Mauthausen | uns und sagten : ‹Mütter, Schwestern, Ihr werdet doch leben ! Ihr werdet leben !› Und jetzt erinnere ich mich, mein Gott, meinen Weg in das Lager, wie schrecklich das war ! […] Na und ich habe also gedacht : Wieso sollte ich nicht mehr leben, wenn ich schon so viel erlebt habe ? ! Vielleicht habe ich damals gedacht, dass es nichts mehr Schlimmeres, Furchtbareres im Leben geben kann ? !»128 Die Ängste, die die Frauen während der ganzen Zeit der Evakuierung und bei ihrer Ankunft in Mauthausen ausgestanden hatten, endeten nicht mit der Unterbringung im Quarantänelager. Marie-José Chombart de Lauwe erinnert sich an eine Selektion Mitte März, als die alten und kranken Frauen für den Transport nach Bergen-Belsen ausgesucht wurden. Sie fürchtete um ihre alte Mutter : «Denn meine Mutter hatte ganz weißes Haar und Wunden an den Beinen. Also hatten wir ihr beigebracht, auf Deutsch zu sagen : ‹Ich kann arbeiten, ich bin Hebamme›, was auch stimmte, denn sie war eine Hebamme, aber wir haben ihr die Wangen gerieben, damit sie frisch aus- sah, also, ein kleines Dings auf den Kopf gesetzt, damit man ihre/ ihre weißen Haare nicht allzu sehr sieht, und sie ging ganz steif, ganz aufrecht hin und sagte : ‹Aber ich/», auf Deutsch, «aber ich kann arbeiten ! Ich bin Hebamme !› Und sie wurde weitergewunken, ohne für die Selektion ausgesucht zu werden. Ich hatte große Angst um sie.»129 Als schweren Schlag empfand Huguette Gallais es, als eine kranke Mitgefangene, Louise Pitois, für diesen Transport ausgewählt wurde, die versteckt, aber denunziert worden war : «Louisette ist also weggefahren und sie ist/ sie ist vor uns befreit worden ! Sie ist von den Engländern bei der Befreiung von Bergen-Belsen befreit worden ! […] Wir sind noch immer in Mauthausen, während sie nach Bergen abfährt, und wir sind betrübt, sie wegfahren zu/ zu sehen, weil sie Tuberkulose hatte, sie wollte immer trinken, wir hinderten sie daran zu trin- ken, Ergebnis : In Bergen hat sie Wasser getrunken, wo es von Leichen überschwemmt ist, wir haben es von anderen Kameradinnen erfahren, die lebend zurückgekommen sind, und sie hat Typhus bekommen, äh, rasch, halt. Sie ist/ sie ist daran gestorben.»130 Der «Taifun-Express» Nach dem Ravensbrück-Transport traf in Mauthausen noch eine Reihe weiterer Eva- kuierungstransporte aus anderen Konzentrationslagern ein. Sechs dieser Transporte 128 AMM, MSDP, OH/ZP1/820, Interview Tobišková, Z. 174–207. 129 AMM, MSDP, OH/ZP1/325, Interview Chombart de Lauwe, Z. 2182–2201. 130 AMM, MSDP, OH/ZP1/333, Interview mit Huguette Gallais, Interviewerin : Julia Montredon, Fougères, 25. 11. 2002, Übersetzung, S. 39 f. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Band 2
Titel
Deportiert nach Mauthausen
Band
2
Autoren
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Herausgeber
Melanie Dejnega
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Abmessungen
16.8 x 23.7 cm
Seiten
716
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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