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Deportiert nach Mauthausen, Band 2
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590 | Alexander Prenninger Die Evakuierungstransporte in der letzten Phase des Krieges sind geprägt durch das immer größer werdende Chaos des zusammenbrechenden Reiches. Trotz der selbst für die überzeugtesten Nationalsozialisten nicht mehr übersehbaren nahen Niederlage wurden die KZ-Häftlinge in den bestehenden Lagern immer weiter in noch nicht befreite Gebiete evakuiert. Für die zumeist schon völlig geschwächten Häftlinge be- deuteten diese Transporte weitere Qualen durch Hunger, Durst, das tage- und wo- chenlange Eingepferchtsein in den Waggons  – ohne zu wissen, wohin die Reise führt. Immer wieder wurden Züge auch zum Ziel von alliierten Luftangriffen, denen in den verschlossenen Waggons Dutzende Häftlinge zum Opfer fielen. Das Chaos bot jedoch offenbar auch vielen Häftlingen Gelegenheiten zur Flucht  – unter der Gefahr, von den Begleitmannschaften, dem Volkssturm oder der HJ gejagt und ermordet zu werden. Jene, die nach Mauthausen oder Ebensee kamen, fanden dort unbeschreibliche Zu- stände vor. Die stetige Zunahme der Häftlingspopulation ließ die ohnehin mangelnde Versorgung mit Lebensmitteln völlig zusammenbrechen. Areale wie das Zeltlager und das Sanitätslager verwandelten sich immer mehr in eine Todeszone : «Hier werden wir alle sterben», war die Botschaft, die Jakob Maestro bei seiner Ankunft von einem be- reits zum Muselmanen gewordenen Häftling erhielt. Ab Ende März verschlimmerten sich die Lebensbedingungen in den auf oberös- terreichischem Gebiet gelegenen Mauthausen-Lagern erneut. Aufgrund der Offensive der Roten Armee auf Wien begann die Evakuierung der Mauthausener Außenlager in Ost- und Südösterreich. Außerdem hatte Lagerkommandant Ziereis den Befehl be- kommen, die am Bau des Südostwalls eingesetzten ungarisch-jüdischen Zwangsarbei- ter aufzunehmen. Wahrscheinlich kamen bei der Evakuierung dieser Zwangsarbeitsla- ger ca. 20.000 Menschen in den Lagerkomplex Mauthausen.156 Daneben wurden auch kleinere Gruppen von Häftlingen aus Gestapogefängnissen in Bratislava, Wien, Brünn, St. Pölten und den Arbeitserziehungslagern Oberlanzendorf und Lichtenwörth nach Mauthausen gebracht und zum Großteil noch in der Gaskammer dort ermordet. Resümee Die Wende des Krieges spätestens ab der Niederlage bei Stalingrad und der sukzessive Rückzug der Wehrmacht aus den besetzen Gebieten zunächst in Osteuropa, ab Mitte 1944 auch in Westeuropa, zog umfangreiche Evakuierungsmaßnahmen mit sich, in deren Zuge auch die Gefängnisse, Zwangsarbeits-, Kriegsgefangenen- und Internie- rungslager evakuiert wurden. Ab Februar 1944 gerieten die ersten Konzentrationslager in Frontnähe und wurden ebenfalls evakuiert. Die Häftlinge in den vom Kriegsgesche- hen erfassten Gebieten wurden immer weiter in das Innere des Reichs verbracht, wobei die Kranken und nicht marschfähigen Häftlinge entweder zurückgelassen oder ermor- 156 Siehe dazu den Beitrag von Regina Fritz in diesem Band. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Deportiert nach Mauthausen Band 2
Titel
Deportiert nach Mauthausen
Band
2
Autoren
Gerhard Botz
Alexander Prenninger
Regina Fritz
Herausgeber
Melanie Dejnega
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21216-4
Abmessungen
16.8 x 23.7 cm
Seiten
716
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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