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Filmversion zu arrangieren und zu leiten. Der Tonfilm war noch ein sehr junges Me-
dium. Nachdem 1927 der erste Tonfilm The Jazz Singer gelaufen war, verlangte das Pu-
blikum nun vor allem nach Filmmusicals, die in großer Menge auf den Markt gebracht
wurden. Kurz nachdem Steiner in Hollywood eintraf, war dieser Markt allerdings bereits
wieder übersättigt und man entließ fast alle Musiker. Steiner behielt seinen Job, weil die
Bosse von RKO seine überragenden Fähigkeiten richtig einschätzten. Man verlegte sich
allerdings jetzt, nachdem die Musicals nicht mehr gefragt waren, auf das Verfilmen von
dramatischen Stoffen und sah dabei die Rolle der Musik als eine sehr nebensächliche an.
So beschränkte sich Steiners Tätigkeit zunächst vor allem auf das schnelle Produzieren
von Titel-, Schluss- und Überleitungsmusiken.
Als 1932 der Produzent David O. Selznick bei RKO anheuerte, sollte sich die Situa-
tion für die Filmmusik in Hollywood grundlegend ändern. Symphony of Six Million war
einer der ersten großen Spielfilme, die Selznick für RKO produzierte. Selznick wollte für
diesen Film eine Musik, die über die üblichen kurzen musikalischen Einsätze hinaus-
ging. Er wollte Musik, die die Entwicklung der Geschichte voranbringt und die Zeich-
nung der Charaktere verstärkt. In Max Steiner fand er den richtigen Verbündeten, denn
auch dieser dachte schon länger in diese Richtung nach. So wurde Symphony of Six Mil-
lion der erste Hollywoodfilm mit richtigem underscoring. Dies bedeutet, dass der Kom-
ponist einer bestimmten Szene oder einem Dialog eine musikalische Begleitung oder
Untermalung unterlegt, ohne darauf zu achten, ob man die Quelle der Musik im Bild
sieht oder nicht. Dabei sollte man den Begriff Begleitung nicht zu eng fassen, denn die
Musik sollte gerade nicht nur das Leinwandgeschehen quasi tautologisch wiedergeben,
sondern sie sollte genau jene psychologischen Zwischen ebenen erfassen und dem Publi-
kum nahebringen, die nicht durch Dialog oder Handlung offensichtlich sind.
Steiners visionärer Kraft ist es zuzuschreiben, dass sich die sinfonische Filmmusik
in Hollywood schnell durchsetzte und die Komponisten ihren festen, gleichberechtig-
ten Platz in der Studiohierarchie bekamen. Das Studiosystem von Hollywood war ein
Garant dafür, dass Jahr für Jahr eine enorme Zahl an qualitativ guten bis hochwertigen
Filmen produziert wurde und angestellte Komponisten wie Steiner im Schnitt sechs bis
acht Filme pro Jahr mit Musik versorgten. Das System forderte eine hoch spezialisierte
Form der Arbeitsteilung in allen Produktionsbereichen zutage. So hatten die Kompo-
nisten gar nicht mehr die Zeit, fertig ausgearbeitete Partituren zu liefern, sondern sie
notierten die Musik in drei oder vier Systemen mit Stimmführungen und Orchestrie-
rungsvorstellungen. Dann übergaben sie diese ihren Orchestratoren, die die fertigen Par-
tituren herstellten, die die Komponisten dann wiederum mit den Orchestern einspielten.
Hierbei ist es wichtig festzustellen, dass diese Orchestratoren reine Instrumentierer wa-
ren und keine Arrangeure. Denn anders als ein Arrangeur, der ein Musikstück verändert,
Der Filmkomponist Max Steiner
1888 - 1971
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Der Filmkomponist Max Steiner
- Untertitel
- 1888 - 1971
- Autor
- Peter Wegele
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 302
- Schlagwörter
- Film Music, Biography, Cinema, Musical science, Musicology, History of Music
- Kategorie
- Biographien