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128 Mobile Culture Studies. The Journal 2 2o16
Christine Egger | Mobile World Passau
Damit war die „Flüchtlingskrise“ für Passau aber noch nicht ausgestanden. Seit Beginn des
Jahres 2016 ging es, wie auch an anderen Orten, darum, sich eingehender mit den Menschen
zu beschäftigen, die erst seit kurzem oder schon mehrere Jahre in Niederbayern lebten, und sie
als neue Bürger_innen in die überschaubare Gesellschaft der Mittelstadt aufzunehmen. „Nur
Essen austeilen alleine reicht nicht“, sagen die Aktivisten Turgay Ulu und Bino Byansi Byaku-
leka, die eine stärkere politische Auseinandersetzung mit den Fluchtursachen und einen wür-
devolleren Umgang mit den nach Deutschland geflohenen Menschen anmahnen (Arps 2016).
Diese Notwendigkeit wird auch in Gesprächen mit Geflüchteten in Passau deutlich, die immer
wieder um den Wunsch nach Respekt und Anerkennung als Individuum, abseits des Verwal-
tungsstatus als Asylbewerber_in kreisen (Petz 2016). „Zehn Jahre ich bin hier, immer noch keine
Papier. Leute was soll ich machen, das Problem liegt nicht bei mir. Zehn Jahre in Deutschland,
immer noch kein Aufenthalt. Jeden Tag, jeden Tag, eine Post von Sozialamt. Jeden Tag, jeden
Tag, eine Post von Arbeitsamt. Ich erzähl den meine Sorgen, sie sagen zu mir, komm morgen“
(Samo 2012), heißt es in einem
Lied des Sängers Malek Samo,
das einige syrische Migran-
ten regelmäßig anstimmen,
wenn sie an der Figur „Dialog
Mensch / Fisch“ der Künstle-
rin Edeltraud Maria Göpfert
vorübergehen, die seit 2007 die
Passauer Fußgängerzone ziert
(Göpfert 2016). Der sitzende
Mann, der seinen Kopf auf eine
Hand stützt und – ein Bein
über das andere gelegt – den
Blick in die Ferne schweifen
lässt, scheint ihre existenzielle
Unsicherheit nach der Flucht-
erfahrung und die damit ver-
bundenen Ängste zu spiegeln.
Was wird die Zukunft bringen?
Gibt es eine reelle Chance, ein
neues und respektiertes Leben
in Passau zu beginnen? Oder
wird sich vielleicht doch noch
die Gelegenheit ergeben, nach
Syrien zurückzukehren?
Die gemeinsamen Heraus-
forderungen und Anstrengun-
gen der Integration brauchen
Passau, seine alten und neuen
Bürger_innen sowie die poli-
Abb. 9: Theresienstraße, Passau (Deutschland), 11.04.2016,
Foto: Christine Egger
Mobile Culture Studies
The Journal, Band 2/2016
- Titel
- Mobile Culture Studies
- Untertitel
- The Journal
- Band
- 2/2016
- Herausgeber
- Karl Franzens University Graz
- Ort
- Graz
- Datum
- 2016
- Sprache
- deutsch, englisch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 168
- Kategorien
- Zeitschriften Mobile Culture Studies The Journal