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198 Mobile Culture Studies. The Journal 6 2o20 (Travel)
Erika Unterpertinger | Kartografierte Sagen
„Erzählungen vom Reich der Fanes“, wie sie in der ersten vollständigen, neunten Auflage vor-
liegen (Wolff 1957: 469–551), auf Toponyme hin durchsucht und in einer tabellarischen Auf-
listung gesammelt. Das Resultat sind 140 Toponyme aus 28 Erzählungen (vier enthalten keine
eindeutig zuordenbaren Toponyme) von Flüssen, Seen, Tälern, Bergen und Ortschaften, die bis
auf einen Berg — den Monte Amariana, der in den Erzählungen als heiliger Berg ausgewiesen
wird und im heutigen Friaul liegt — innerhalb der Talschaften des ladinischsprachigen Gebie-
tes verortet sind.
Im nächsten Schritt wurden die Toponyme mit aktuellen geografischen Daten sowie
anhand von bekannten Flurnamen identifiziert und georeferenziert. Mir gelang die Identi-
fikation der meisten Toponyme des Datensatzes mithilfe ortskundiger Ladiner*innen, die sich
bereit erklärten, mir unklare Begriffe und Flurnamen nach bestem Wissen zu erklären.
Sieben Toponyme konnten nicht eindeutig identifiziert werden und wurden deshalb aus
dem bereinigten Datensatz entfernt. Eine Schwierigkeit bei der Identifikation stellte die nicht
einheitliche Schreibweise der Toponyme dar [siehe Tab. 1 fĂĽr einen Einblick in die Gestalt die-
ser Unklarheit]. Wolff war sich der Uneindeutigkeit der Namen und Toponyme bewusst, wie er
im Rahmen einer Vorbemerkung erklärt: Ein Teil der Namen und Wörter sei unklar,
weil sie entweder nur ein einziges Mal gehört wurden oder weil sie von mangelhaft unterrichteten
Personen oder von solchen stammen, die selbst zugaben, daĂź sie ihrer Sache nicht sicher seien, oder
weil die Form wegen unvollständiger Artikulation (wie sie zuweilen bei alten Leuten vorkommt)
nicht klar erfaßt werden konnte oder weil die Erzähler sich widersprachen, was besonders häufig bei
den Namen vorkam. (Wolff 1957: 9)
Die Toponyme variieren sowohl in ihrer Schreibung als auch in der Aktualität der Bezeich-
nung. Zum Teil handelt es sich vermutlich um wörtliche Transkriptionen nach Gehör (Nuwo-
lau, Migoyn). Zum Teil handelt es sich um veraltete Begriffe: „Wannawand“ ist ein nicht mehr
gebräuchlicher Begriff für den Heiligkreuzkofel. Weiters werden die Sprachen Deutsch, Italie-
nisch und Ladinisch stark gemischt.
Im Rahmen der vorliegenden Analyse wird anhand von punktbasierten Karten und Infor-
mationen gearbeitet, weshalb ich Flüsse und Täler, die nicht anhand klarer geografischer Punkte
bestimmbar sind, sondern größere Flächen innerhalb einer Landschaft ausmachen, vom berei-
nigten Datensatz ausgeschlossen habe. Der bereinigte Datensatz besteht aus 95 Einträgen ein-
deutig zuordenbarer Toponyme. Im Datensatz sind neben Längen- und Breitengrad sowie der
Höhe der jeweiligen Orte eine Ordnungszahl vermerkt, die ich den Erzählungen entsprechend
Tab. 1: Toponyme und ihre alternativen Schreibweisen — Auswahl
Toponym Alternative Schreibweisen
Heiligkreuzkofel Wannawand, Wannagebirge, Wanna-Gebirge, Piz da la FlĂĽta
Hohe Gaisl Hohe Geisl, Croda Rossa
Monte Mignon Migoyn
Monte Nuvolau Auto Nuvoláu, Auto Nuwoláu, Nuwoláu, Nuwolau
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Mobile Culture Studies, Band 2/2020
The Journal
- Titel
- >mcs_lab>
- Untertitel
- Mobile Culture Studies
- Band
- 2/2020
- Herausgeber
- Karl Franzens University Graz
- Ort
- Graz
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch, englisch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 270
- Kategorien
- Zeitschriften Mobile Culture Studies The Journal