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Mobile Culture Studies The Journal
Mobile Culture Studies - The Journal, Band 3/2017
Seite - 99 -
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Mobile Culture Studies. The Journal 3 2o17 Nora Scholtz, Anke Strüver | Zum Auf-Spüren und Er-Leben von Atmosphären durch Obdachlose 99 öffentlichen Raum und damit hohe Toleranz und Solidarität sowie stadtteilpolitisches Engage- ment (Best und Strüver 2005; Wischmann 2016). Zugleich ist es aber auch Hamburgs, vielleicht sogar Deutschlands, bekanntestes Vergnügungsviertel, das touristenfreundlich gleichermaßen hafen- und innenstadtnah gelegen ist und das in all diesen Funktionen (Touristenattraktion, Vergnügungszentrum, Wohn- und zunehmend auch wieder Gewerbe-, Luxushotel- und Büro- standort) als aufstrebend gilt. Die dort erwirtschafteten Erträge kommen dem Stadtteil aller- dings nur wenig zugute (Goritz 2004; Wischmann 2016). Teil des Aufstrebens bzw. der gezielten Aufwertung ist seit gut zehn Jahren insbesondere die Umgestaltung der Reeper bahn vom Ort des sexualisierten verruchten Vergnügens („Rotlichtmilieu“) hin zu einem allgemein attraktiven Aufenthalts- und Besuchsort, der vielerlei kulturelle und kulinarische Angebote macht. Dieser Prozess zieht wiederum auch die Aufwertung als Wohn- und Bürostandort sowie eine erhöhte Polizeipräsenz nach sich. Bislang sind gleichwohl auch die erwähnte Heterogenität und die Toleranz der lokalen Bevölkerung noch Kennzeichen des Stadtteils bzw. des Miteinanders entlang der Reeperbahn, so dass dort vielfache alternative Lebensformen und unterschiedlichste Überlebensstrategien prak- tiziert werden (u.a. von Drogenkonsumierenden, Wohnungs- und Obdachlosen), überdurch- schnittlich präsent sind und auch weitgehend akzeptiert werden. So lässt sich stark verkürzt ein Straßen- und Stadtteilleben beschreiben, in dem Armut und Toleranz der alteinge sessenen bzw. traditionell anwesenden Bevölkerungsgruppen dem zunehmenden „Glitzerdiskurs“ der Büro- und Hotelneubauten sowie der „Touristification“ gegenüberstehen (Wischmann 2016: 324f). Hier treffen Obdachlose auf Gewerbetreibende der dominanten Branchen der Gastronomie und des sexualisierten Vergnügens sowie auf Tourist*innen und Anwohner*innen. Seit Beginn der Aufwertung des Stadtteils um die Jahrtausendwende erleben obdachlose Personen häufiger subtile wie gezielte Vertreibungen von der Reeperbahn und den umliegenden Gebieten in kurz- und langfristiger Art. Diese werden zwar teilweise in der medialen Bericht- erstattung sowie von lokalen Initiativen kritisiert (Brück und Lasarzik 2014, Schneider 2011), dabei wird allerdings Obdachlosigkeit auf Probleme wie Armut, Krankheit oder den generellen Wohnungsmangel reduziert. Nicht thematisiert wird hingegen die Perspektive der Wohnungs- und Obdachlosen selbst. Deutschsprachige Veröffentlichungen zum Thema Obdachlosigkeit transportieren häufig schon im Titel eine Elendskonnotation: Beispielhaft genannt seien hier „Obdachlos, weil arm: Gesellschaftliche Reaktionen auf die Armut“ (Christiansen 1977) sowie „Arm – obdachlos – krank: Eine Untersuchung der sozialen und medizinischen Angebote des Hamburger Caritasverbandes für wohnungslose Menschen“ (Schaak 2003). Englischsprachige Ansätze haben häufig eine andere Herangehensweise an Obdachlosigkeit als Forschungs - gegenstand und beschäftigen sich beispielsweise mit regionalem sozialpolitischen Umgang mit Obdachlosigkeit (Deverteuil u.a. 2009; Laurenson und Collins 2006, 2007) oder untersuchen obdachlose Personen als Akteure und in ihren alltäglichen Ritualen und Abläufen (Snow und Anderson 1987; Ruddick 1990; Snow und Mulcahy 2001). Auch das variierende Konzept eines „Zuhause“ und des „sich zu Hause fühlen“ wird thematisiert (Sheehan 2010). Die meisten dieser Beiträge durchzieht die Forderung, dass obdachlosen Personen die „Fähigkeit zum Wohnen“ beigebracht werden müsse (Marquardt 2016). Vielfältig übersehen wird dabei, dass es auch Menschen gibt, die den Schritt in die Obdach- losigkeit nach eigener Aussage bewusst und freiwillig gehen. Für sie ist es ein gewählter Lebens-
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Mobile Culture Studies The Journal, Band 3/2017
Titel
Mobile Culture Studies
Untertitel
The Journal
Band
3/2017
Herausgeber
Karl Franzens University Graz
Ort
Graz
Datum
2017
Sprache
deutsch, englisch
Lizenz
CC BY 4.0
Abmessungen
21.0 x 29.7 cm
Seiten
198
Kategorien
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