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Mobile Culture Studies The Journal
Mobile Culture Studies - The Journal, Band 3/2017
Seite - 102 -
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102 Mobile Culture Studies. The Journal 3 2o17 Nora Scholtz, Anke StrĂŒver | Zum Auf-SpĂŒren und Er-Leben von AtmosphĂ€ren durch Obdachlose Beide Perspektiven explizit berĂŒcksichtigend verwenden wir nachfolgend Reckwitz‘ Praxistheo- rie als Rahmen zur Erforschung rĂ€umlicher AtmosphĂ€ren. Darin wird in direkter Anlehnung an Schmitz (1998) das Subjekt „affiziert durch die jeweilige AtmosphĂ€re eines Raumes, die sich aus der relationalen Situierung von Artefakten – im Übrigen auch von anderen Subjekten, Gruppen oder Praktiken – ergibt. Die Erfahrung, also die Wahrnehmung der AtmosphĂ€re eines Raumes ist freilich selbst eine Praktik, die die Inkorporierung entsprechender kultureller Schemata und sinnlicher SensibilitĂ€ten auf Seiten des Subjekts zur Voraussetzung hat“ (Reck- witz 2015: 43; siehe auch Reckwitz 2003 sowie Kazig und Popp 2011 und Michels 2015 fĂŒr empirische Anwendungen). Dem zugrunde liegt also auch eine Definition von AtmosphĂ€ren in Anlehnung an Schmitz (2005: 106) als GefĂŒhle, die nicht nur isoliert im Inneren gespĂŒrt werden, sondern die die subjektive QualitĂ€t eines Ortes prĂ€gen und teils auch von Dritten gespĂŒrt werden können. Wir erweitern diese Definition um die explizit stĂ€dtische Dimen- sion: „der Begriff der AtmosphĂ€ren [muss] so gefasst werden, dass er auch fĂŒr die stĂ€dtische Umgebung im Ganzen mit allen ihren Elementen passend ist, wie Straßenpflaster, BĂ€ume, Reklameschilder, GeschĂ€ftsauslagen usw., wenn wir es mit PlĂ€tzen oder StraßenzĂŒgen zu tun haben. Die Erfahrung der AtmosphĂ€re eines stĂ€dtischen Ortes wird durch die Erfahrung der konkreten Dinge [und Menschen] beeinflusst und stimuliert“ (Paetzold 2012: 243). Diese stĂ€d- tische Dimension ist nach Paetzold (2012: 231, in Bezug auf Hasse 2008) nicht gleichzusetzen mit der Stimmung eines Ortes: „Der gestimmte Raum [
] ist ohne Thema, Orientierung und Adressat. [
] Die AtmosphĂ€re dagegen ist auf eine bestimmte Person, ein bestimmtes Objekt, ein bestimmtes Ereignis oder eine Gruppe von Ereignissen bezogen.“ Somit gelten Subjekte, Praktiken und Artefakte als Elemente, die die Entstehung einer AtmosphĂ€re bewirken können. Die Betonung des Vollzugs von Praktiken und die explizite BerĂŒcksichtigung der im Tun entstehenden bzw. verĂ€nderbaren Wirklichkeit bedeutet fĂŒr das Raumerleben sowie das Erle- ben (und Erforschen) rĂ€umlicher AtmosphĂ€ren, dass sich im Raum verfestigte gesellschaftliche Machtstrukturen als Teil des Erlebens und des subjektiven Sinns erschließen lassen. Darauf aufbauend lĂ€sst sich mit Gammerl und Herrn (2015: 8) fragen „wie besondere gesellschaftliche MachtverhĂ€ltnisse raum- oder ortsspezifische GefĂŒhle prĂ€gen und wie sich umgekehrt GefĂŒhle auf die soziale Produktion von RĂ€umen auswirken“. Inwiefern nun der lebensweltliche soziale Alltag sowie die Raumwahrnehmungen von Obdachlosen in einem Ă€ußerst öffentlichen, von diversen Machtstrukturen durchzogenen Raum wie der Reeperbahn, von AtmosphĂ€ren geprĂ€gt ist, wie sich ihr Raumerleben vollzieht, werden wir anschließend detailliert diskutieren. Untersuchungsdesign: Machtsensible AtmosphĂ€renforschung mit obdachlosen Personen Das Ziel unserer Untersuchung war das Sammeln und Analysieren von ortsgebundenen Narra- tionen mithilfe von mobilen Interviews, die das Erleben von AtmosphĂ€ren auf der Reeperbahn durch Obdachlose offenlegen. So kann ein unmittelbarer Bezug zu subjektiv empfundenen rĂ€umlichen QualitĂ€ten hergestellt werden. Konkret bedeutet das herauszufinden, wie obdach- lose Personen einzelne Abschnitte der Straße wahrnehmen und welche AtmosphĂ€ren erlebt werden bzw. im Erleben der Reeperbahn entstehen.
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Mobile Culture Studies The Journal, Band 3/2017
Titel
Mobile Culture Studies
Untertitel
The Journal
Band
3/2017
Herausgeber
Karl Franzens University Graz
Ort
Graz
Datum
2017
Sprache
deutsch, englisch
Lizenz
CC BY 4.0
Abmessungen
21.0 x 29.7 cm
Seiten
198
Kategorien
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