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Mobile Culture Studies The Journal
Mobile Culture Studies - The Journal, Band 3/2017
Seite - 104 -
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104 Mobile Culture Studies. The Journal 3 2o17 Nora Scholtz, Anke Strüver | Zum Auf-Spüren und Er-Leben von Atmosphären durch Obdachlose 2011: 197). Nicht zuletzt fallen durch die subjektiven Wahrnehmungen und emotionalen Ver- knüpfungen von Orten kognitive Karten von unterschiedlichen Subjekten in der Regel höchst unterschiedlich aus. Genau aus diesem Grund, dem vielfältigen, subjektiven und hochgradig emotionalem Charakter der Karten, sind sie als machtsensible Forschungsmethode aus der Per- spektive der Obdachlosen so interessant. Für die Untersuchung lassen wir die erkenntnistheore- tischen Ausgangspunkte des Verfahrens unberücksichtigt, da wir nur den Aspekt der an einen konkreten Ort geknüpften emotionalen Erlebnisse und Bewertungen einbeziehen möchten, um intersubjektiv erspürte Atmosphären identifizieren zu können. Um nun die von obdachlosen Personen wahrgenommenen Atmosphären der Reeperbahn angemessen zu untersuchen, konnten wir bestehende Bekanntschaften zu einigen Schlüssel- personen der lokalen Szene nutzen. Von großem Vorteil war dabei die Nebenbeschäftigung einer der Autorinnen in einem Szenetreffpunkt von Obdachlosen auf der Reeperbahn, in der Kneipe „Der Clochard“. Dadurch entstanden bereits im Vorfeld verlässliche Kontakte zu diversen obdachlosen Personen sowie ein freundlicher und vertrauter Umgang miteinander auf Augenhöhe. Auch gegenüber nicht persönlich bekannten Angehörigen der Zielgruppe konnte über die Nennung des Namens dieser Kneipe zügig eine positive Grundstimmung gegenüber unserer Untersuchung hergestellt werden. Für die Untersuchung im Sommer 2016 wurden in Vorgesprächen die Personen ausge- wählt, die nach ihrem eigenen Verständnis obdachlos sind oder bis vor kurzem waren und sich regelmäßig direkt auf der Reeperbahn aufhalten. Die hier präsentierten Teilergebnisse basieren auf jeweils mehrstündigen Go-along-Interviews mit sechs Personen (zwei weiblichen und vier männlichen im Alter zwischen 17 und 51 Jahren), die danach auch die Sketch-maps der Reeper- bahn für uns erstellt haben. Erspüren und Erleben der Reeperbahn Im Folgenden stellen wir einige ausgewählte Ergebnisse vor und beschreiben, wie die Obdach- losen die soziale und atmosphärische räumliche Gliederung der Reeperbahn erleben. Im Anschluss geben wir Beispiele für Atmosphären, deren Entstehung von den Interviewten beein- flusst wird. Die Obdachlosen auf der Reeperbahn teilen sich in drei Gruppen auf: Die Punks, die Junkies, und die Berber (ältere Personen, häufig verwahrlost und schwer alkoholkrank). Diese Gruppen haben relativ wenig Kontakt untereinander, vor allem die Junkies werden häufig von den anderen gemieden. Es gibt einzelne Obdachlose, die sich keiner Gruppe zuordnen und die mit allen in Kontakt stehen; dabei handelt es sich aber um Ausnahmen. Alle Teilnehmenden der Untersuchung gehören zur Gruppe der Punks oder stehen ihr nah. Es wurde versucht, auch Angehörige anderer Gruppen für Interviews zu gewinnen, dies ließ sich bislang aber nicht umsetzen. Die stark ausgeprägte Suchtsymptomatik der angetroffenen Junkies sowie die kör- perliche Versehrtheit der Berber sind mit einem auf mehrstündige Gespräche und körperliche Bewegungen ausgelegten Forschungsdesign nur schwer zu vereinbaren. Um Einsichten in die gefühlten Qualitäten einzelner Raumausschnitte bzw. Atmosphären entlang der Reeperbahn zu erhalten, wurden die Teilnehmenden des Sketch-mappings gebeten, „gute Orte“ und „schlechte Orte“ sowie „gute Menschen“ und „schlechte Menschen“ zu iden- tifizieren und zu erläutern. In allen Abbildungen stehen grüne Kreuze für „gute Menschen“,
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Mobile Culture Studies The Journal, Band 3/2017
Titel
Mobile Culture Studies
Untertitel
The Journal
Band
3/2017
Herausgeber
Karl Franzens University Graz
Ort
Graz
Datum
2017
Sprache
deutsch, englisch
Lizenz
CC BY 4.0
Abmessungen
21.0 x 29.7 cm
Seiten
198
Kategorien
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