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Mobile Culture Studies The Journal
Mobile Culture Studies - The Journal, Band 3/2017
Seite - 111 -
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Mobile Culture Studies. The Journal 3 2o17 Nora Scholtz, Anke Strüver | Zum Auf-Spüren und Er-Leben von Atmosphären durch Obdachlose 111 Vollzug des Raumerlebens Die obdachlosen Personen nehmen die Atmosphären auf der Reeperbahn nicht nur wahr und bewegen sich dementsprechend, sie beeinflussen natürlich selbst auch bewusst und unbewusst Atmosphären schon durch ihre bloße Anwesenheit als sichtbar obdachlose Menschen. Die Aus- stattung ihres direkten Umfelds durch Einrichtungsgegenstände und andere Artefakte sowie diverse Praktiken sorgen dafür, dass sie ihren Alltag im öffentlichen Raum selbstbestimmt bedürfnisorientiert erleben. Um dies zu illustrieren wurden im Rahmen der Interviews Situa- tionen festgehalten, in denen Obdachlose sich auf der Reeperbahn derartig inszenieren, dass der Raum atmosphärisch umgeprägt, von ihnen dadurch anderweitig nutzbar, und von Frem- den dahingehend anerkannt wird. Der Schnorrplatz von Makke kann hier als anschauliches Beispiel herangezogen werden (Abb. 6): Im Schutz einer Werbetafel und eines Stromkastens hat er sein Lager auf dem Gehweg der nördlichen Straßenseite der Reeperbahn aufgeschla- gen. Hier finden all seine Habseligkeiten Platz, wenn er tagsüber zum Schnorren auf den Kiez kommt. Durch die Decke ist sein Gebiet klar räumlich abgegrenzt und zugleich begrenzt. Die vorbeilaufenden Passanten achten diese Grenze und passen ihren Weg an, um nicht auf die Decke zu treten. Auch seine Bekann- ten und Freunde fragen zuerst, ob sie sich in diesen abgegrenzten Bereich setzen dürfen. Dies ändert sich nicht, wenn der Schnorr- platz für kurze Zeit unbesetzt ist. Durch die Ausstattung des öffentlichen Raums mit privaten Artefakten wird hier also Eindruck von „beanspruchtem Platz“ vermittelt, der intersubjektiv und ohne Vorwissen durch Dritte wahrgenommen und anerkannt wird. Nach Reckwitz (2015: 43) sind „[i]m Falle räumlicher Atmosphären […] nicht so sehr die einzelnen Dinge von Bedeutung als viel- mehr ihre relationale Situierung in einem dreidimensionalen Raum. Dieser Raum wiederum wird von den Subjekten nicht ein- fach >benutzt<, sondern sie treten in ihn ein und erfahren ihn auf eine bestimmte Weise.“ Durch die Nutzung des zu zwei Seiten abschirmenden Straßenmobiliars sowie der Positionierung von persönlichen Gegenstän- den, die für ihn eine heimelige Atmosphäre haben (wie Decke, Kissen und Geschirr), kann Makke diese räumliche Atmosphäre der Heimeligkeit entstehen lassen und sich von ihr durchdringen lassen. Für obdachlose Menschen, die nur selten auf private Räume Abb. 6: Makkes Schnorrplatz, (CC) Nora Scholtz
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Mobile Culture Studies The Journal, Band 3/2017
Titel
Mobile Culture Studies
Untertitel
The Journal
Band
3/2017
Herausgeber
Karl Franzens University Graz
Ort
Graz
Datum
2017
Sprache
deutsch, englisch
Lizenz
CC BY 4.0
Abmessungen
21.0 x 29.7 cm
Seiten
198
Kategorien
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