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Mobile Culture Studies The Journal
Mobile Culture Studies - The Journal, Band 3/2017
Seite - 196 -
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196 Mobile Culture Studies. The Journal 3 2o17 Jan Lange | Rezension: Automobil und moderne Gesellschaft FreizeitbedĂŒrfnisse prĂ€formieren demnach ein spezifisch zeitrĂ€umliches Bewertungssystem bei der Verkehrswahl. Dabei ist gerade die junge Mittelschicht der innerstĂ€dtischen Bereiche als die gesellschaftliche Gruppe anzusehen, die gemĂ€ĂŸ der flexiblen Strukturierung von Arbeits- und Lebenszeit zum TrĂ€ger einer multimodalen bzw. vom Privateigentum entkoppelten MobilitĂ€t werden könnte. Schicht- und milieuĂŒbergreifend weist Canzler gegen das Szenario einer breiten gesell- schaftlichen Emanzipation vom Automobilismus auf das „Auto im Kopf“ hin: „Das Auto prĂ€gt seine Nutzer in ihrem Lebensalltag und vor allem in ihrem habituellen Verhalten mehr als sie selbst annehmen“, es sorgt „fĂŒr einen, mehr oder weniger, reibungslosen Ablauf eines zeitlich und rĂ€umlich eng gestaffelten Alltags. Vor allem entlastet es von einem Entscheidungsdruck, der mit der Auswahl und Kombination verschiedener Verkehrsmittel verbunden ist“ (Canzler 2016, 109). Als sozialwissenschaftliche Arbeit jenseits disziplinĂ€rer Jargons und Grenzen ist Weert Canzlers Buch Ă€ußerst lesenswert, weil es uns zu verstehen hilft, wie der Automobilismus im Zusammenspiel von ökonomisch getriebenen modernen MobilitĂ€tserfordernissen, politisch gestalteten VerkehrsrĂ€umen und den Bedarfslagen der Autonutzer_innen konstituiert wird. Die vielfĂ€ltigen BezĂŒge zu Gegenstanddiskussionen verschiedener FĂ€cher ergeben eine gute Übersicht und helfen bei der Positionierung des eigenen thematischen Zugriffs. Obwohl die analytischen Dimensionen in den empirischen Kapiteln nicht in GĂ€nze Entsprechung finden, zeichnet Canzlers Argumentation doch ein schlĂŒssiges Gesamtbild. Das Auto besitzt nach wie vor eine hohe PopularitĂ€t, weil es wie kein anderes Verkehrsmittel FlexibilitĂ€t und die Ausdeh- nung des MobilitĂ€tsradius ermöglicht und somit die ZeitsouverĂ€nitĂ€t der Menschen fördert. Entsprechend steigert die VerfĂŒgbarkeit eines Autos die Chance auf gesellschaftliche Teilhabe und reduziert die KomplexitĂ€t der Alltagsorganisation. Im letzten Kapitel unternimmt Canz- ler den Versuch, Entwicklungstrends des Autos und des Automobilismus zu skizzieren. WĂ€h- rend das Ende des fossilen Automobilismus fĂŒr ihn gesetzt ist, beurteilt er die Zukunft des auf E-MobilitĂ€t basierenden Automobilismus und der intermodalen Verkehrsdienstleistungen zurĂŒckhaltend. Seine Skepsis rĂŒhrt daher, dass die Durchsetzung solcher neuen Pfade neben technischen und ökonomischen Transformationen direkt von einer umfassenden Neuorien- tierung der Nutzer_innen (ihren Vorstellungen von Leistung, Effizienz, Stil) abhĂ€ngig ist. „Robust er scheint hingegen die Prognose, dass die (Auto)MobilitĂ€t – wieder – zur sozialen Frage wird, bezogen auf ZugĂ€nge und VerfĂŒgbarkeit“ (Canzler 2016, 154). Insbesondere hier sind die Sozialwissenschaften aufgerufen, die Entwicklung des Automobilismus der Zukunft unter Verweis auf Nachhaltigkeit und breite gesellschaftliche Teilhabe kritisch zu begleiten. Literatur Canzler, Weert. 2012. ‘AutomobilitĂ€t und Gesellschaft. Zur Verortung einer sozialwissenschaft- lichen MobilitĂ€tsforschung’, Soziale Welt 63 (4), pp. 317-337 Canzler, Weert. 2016. Automobil und moderne Gesellschaft. BeitrĂ€ge zur sozialwissenschaftlichen MobilitĂ€tsforschung (MĂŒnster: LIT-Verlag) Dangschat, Jens und Astrid Segert. 2011. ‘Nachhaltige AlltagsmobilitĂ€t, soziale Ungleichheiten und Milieus’, Österreichische Zeitschrift fĂŒr Soziologie 36(2), pp. 55-73
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Mobile Culture Studies The Journal, Band 3/2017
Titel
Mobile Culture Studies
Untertitel
The Journal
Band
3/2017
Herausgeber
Karl Franzens University Graz
Ort
Graz
Datum
2017
Sprache
deutsch, englisch
Lizenz
CC BY 4.0
Abmessungen
21.0 x 29.7 cm
Seiten
198
Kategorien
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