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134 Mobile Culture Studies. The Journal 4 2o18
Stefanie BĂŒrkle | IdentitĂ€t durch Architektur
der die FlexibilitÀt und die KontextualitÀt kultureller IdentitÀten erklÀrt. IdentitÀt wird hier
als dynamische GröĂe verstanden, die situationsspezifisch verhandelt wird (Römhild 2009).
Diese Konzeption bietet einen Bezugsrahmen fĂŒr unser Projekt, da sie erklĂ€rt, wie Migranten
in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen, so auch bei der Gestaltung und Nutzung ihres
Wohn- und Lebensraums, ihr Verhalten anhand der Rollenerwartungen im jeweiligen Kontext
ausrichten (Bommes 2003).
Im Sinne von Giddens (1991) kann IdentitÀt also als ein dynamisches Geflecht von
bewussten und unbewussten Verhaltensweisen und ebenso als eine Reflexion darĂŒber in einem
sozialen Umfeld verstanden werden. Das soziale Umfeld ist einerseits lokal verortbar, eben
durch Migrations- und Remigrationserfahrungen. Andererseits wirkt eine erweiterte, media-
tisierte Umwelt, die sich global vernetzt. Angesichts der groĂen MobilitĂ€t infolge der Global-
isierung und extremen Beschleunigung von Kommunikation aufgrund digitaler Vernetzung
im virtuellen Raum, gewinnt der greifbare »reale« Raum wieder zunehmend an Bedeutung
â zum einen als ein Refugium des Individuums fĂŒr seine Selbstverortung und zum anderen als
stÀdtischer Raum zur Identifizierung mit Gesellschaft und Stadt, selbst wenn »mit Hilfe der
Internetmedien soziale RÀume unabhÀngig vom physischen Raum entstehen« (Stegbauer 2002,
344). So können »Entortung« und »Verortung« als zwei ineinander verschrÀnkte Bewegungen
verstanden werden, die nicht etwa gegenlÀufig sind. Vielmehr bedingen sie sich gegenseitig,
da der als Verlust des physischen Raums erlebte Prozess neue RaumbezĂŒge schafft (Stegbauer
2002), die jenseits des realen Herkunftsortes soziale Ărtlichkeiten herstellen. Auch im Sinne
partikularer Sicherheit scheint Raum als Immobilie im konkreten Austausch von Geld gegen
Raum angesichts globaler Finanzkrisen mehr denn je vom Spekulationsobjekt zum Garant fĂŒr
die eigene Existenz zu werden (BĂŒrkle 2013, 40).
IdentitÀt durch Architektur
Die Verbindung von IdentitÀt und Architektur spiegelt die Beziehung zwischen dem Remi-
granten als Bauherren und dem GebÀude als Werk wider. Dies gilt vor allem dann, wenn das
Bauwerk nicht das Resultat eines strukturierten Gestaltungsprozesses im Sinne einer ReprÀsen-
tation von Architektur als Landmark ist, als corporate architecture oder auch als historische
Rekonstruktion, denn dann soll Architektur eine ĂŒber das Bauwerk hinausreichende ReprĂ€sen-
tationsfunktion erfĂŒllen. Das Werk steht hierbei im Mittelpunkt, in dem es als Zeichen ĂŒber
sich selbst hinausweist. Der Raum als Körper entfernt sich damit von der Subjektverfassung
des Menschen (Schoper 2010, 19). Schoper bezeichnet es als eine IdentitÀt von Architektur,
wenn das Bauwerk als Ergebnis eines Schaffensprozesses zum Werk wird und auf wesensfremde
Attribute verweist,
»Die konkrete ,IdentitĂ€t von Architekturâ ist dabei jeweils zu betrachten als Resultat Ihrer
Varianz vom ,Identischenâ. [âŠ] Architektur der Selbstheit könnte demnach bedeuten, dass
das Werk selbst im Mittelpunkt steht, nicht der Gestalter; Gestaltung als Prozess wĂŒrde
unsichtbar, sie ginge im Werk auf.« (Schoper 2010, 30)
Als das Identische kann die SphÀre der Anwesenheit einer gemeinsamen Wirklichkeit des
Wahrnehmenden und des Wahrgenommenen im Sinne Gernot Böhmes verstanden werden
Mobile Culture Studies
The Journal, Band 4/2018
- Titel
- Mobile Culture Studies
- Untertitel
- The Journal
- Band
- 4/2018
- Herausgeber
- Karl Franzens University Graz
- Ort
- Graz
- Datum
- 2018
- Sprache
- deutsch, englisch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 182
- Kategorien
- Zeitschriften Mobile Culture Studies The Journal