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Mobile Culture Studies The Journal
Mobile Culture Studies - The Journal, Band 4/2018
Seite - 153 -
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Mobile Culture Studies. The Journal 4 2o18 Janine Schemmer | Grenzraum in Bewegung 153 Bild des weiteren Verlaufs zu machen. Außerdem fällt bei der Beschilderung ins Auge, dass die Ortsnamen zweisprachig auf Italienisch und Slowenisch abgedruckt sind, ein Verweis auf die Geschichte der Dörfer. Egal, mit wem man in den Dörfern ins Gespräch kommt und worum sich die- ses dreht, und egal, welche Publikationen und Websi- ten-Einträge man liest, die Brücke von San Quirino, ihre Geschichte und Bedeu- tung werden fast immer und in unterschiedlichsten Kontexten angesprochen und erläutert. Brücken bilden Übergänge zwi- schen zwei Punkten, sie verbinden Landschaften, Wege und Menschen miteinander, zeigen aber auch Trennlinien unterschiedlicher Qualität auf. Die Brücke von San Quirino hat aus ver- schiedenen Gründen einen hohen symbolischen Wert für die Menschen, die in dieser Gegend geboren sind, von dort weggingen, wieder zurückkamen oder bis heute dort leben. Denn in die- sem Grenzraum überlagern sich politische, sprachliche und kulturelle Grenzziehungen. Diese bündeln sich mitunter in den Zuschreibungen an die Brücke von San Quirino, die für die Anwohner der Täler des Natisone nicht nur eine natürlich-räumliche, sondern vor allem eine soziale und kulturelle Grenze darstellt, die einige, vor allem diejenigen, die den älteren Genera- tionen angehören, bis heute ziehen, wie im nächsten Kapitel ausgeführt wird. Das Beispiel des Umgangs mit der Brücke und ihrer zentralen Position für die Topografie und die Menschen dort zeigt, und hier folge ich Brigitta Schmidt-Lauber, dass Grenzen nicht nur Konstrukte »von oben« sind, sondern zugleich auch »von unten« gelebt werden und nach de Certeau »räumestiftende Realitäten bilden« (Schmidt-Lauber 2006, 381). Die Formen, in denen diese Realitäten gelebt und belebt werden und die Praktiken, die dabei zum Tragen kommen, möchte ich in diesem Beitrag näher betrachten. Es geht mir nachfolgend nicht um die Erfah- rungen der Migration als Handlungsfeld, sondern vielmehr um den Umgang mit ihren Folgen, wie Entvölkerung, und ihre Bedeutungen für die Menschen und ihren Lebensraum. Viele leerstehende Häuser und Dörfer im Grenzraum füllten sich in den letzten Jahren wieder. Neben Remigranten und neuen Zuwanderern aus den umliegenden Regionen ent- deckten Akteure aus dem Kultur- und Kunstbetrieb die Täler für ihre Projekte. Sie bringen neue Bewegungen in die Gegend und setzen sich mit Konflikten und Folgen wie Migrati- onsbewegungen auseinander. Bereits seit mehreren Jahrzehnten beschäftigen sich unterschied- liche lokale Kulturinitiativen mit der bewegten Geschichte der Region. In diesen Prozessen lassen sich verschiedenartige Herangehensweisen und Positionen ausmachen, die unterschied- liche Dynamiken entfalten und sich mitunter auf die generationellen Lagerungen der Akteure Abb. 2: Zweisprachiges Straßenschild, Janine Schemmer, Mai 2018.
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Mobile Culture Studies The Journal, Band 4/2018
Titel
Mobile Culture Studies
Untertitel
The Journal
Band
4/2018
Herausgeber
Karl Franzens University Graz
Ort
Graz
Datum
2018
Sprache
deutsch, englisch
Lizenz
CC BY 4.0
Abmessungen
21.0 x 29.7 cm
Seiten
182
Kategorien
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