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Mobile Culture Studies The Journal
Mobile Culture Studies - The Journal, Band 4/2018
Seite - 157 -
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Mobile Culture Studies. The Journal 4 2o18 Janine Schemmer | Grenzraum in Bewegung 157 körperliche Aktivität oder Veränderungen materieller Art, und sie steht immer auch in engem Zusammenhang mit dem Unbewegten, dem Verbleibenden, dem scheinbar Immobilen. Daher sind die unterschiedlichen Konditionen und Konsequenzen von Mobilität und Bewegung ein zentraler Aspekt. Diese divergieren in hohem Maße, je nachdem, ob der Blick auf den Akteu- ren liegt, die zurückgeblieben sind, auf denen, die zurückkommen oder auf jenen, die ganz fortbleiben. Tim Ingold plädiert dafür, bei der Beschäftigung mit Landschaften eine »dwelling per- spective« einzunehmen, also den lokalen Praktiken von Akteuren und deren Effekte und Wirkungen auf die Räume verstärkt Aufmerksamkeit zu schenken. Er begreift Landschaft als beständigen Speicher vergangener materieller, aber auch kultureller Geschehnisse, die dort ihre Spuren hinterlassen haben. Er hebt den relationalen Kontext hervor, den der Umgang mit der Landschaft evoziert, die von den Erfahrungen der Menschen geprägt und damit kulturell geformt ist. Denn die gebaute Umwelt, das Sichtbare, aber auch das Unsichtbare, das Imagi- nierte prägen unsere Raumnutzung und -erfahrung. Die materiellen, stofflichen und kultu- rellen Spuren gilt es zu lesen: »The landscape tells – or rather is – a story.« (Ingold 1993, 152). Grenzlandschaften beinhalten Geschichte in verdichteter Form. Grenzräume sind Zonen des Konfliktes, des Abstandnehmens, der Entfremdung, aber auch der Annäherung, des Kontak- tes und des Austauschs. Die Formen der Grenzziehungen und -überschreitungen wirken sich auf die jeweiligen Mobilitätspraktiken (körperlicher und mentaler Art) aus. An der Geschichte der Täler lassen sich diese unterschiedlichen Grenzziehungen und die damit einhergehenden kulturellen Differenzerfahrungen und deren Wirkung bis in die Gegenwart veranschaulichen. Zwar zeugen bis heute zahlreiche Spuren wie Schützengräben, Höhlen, Grenzmarkierungen, aber auch infrastrukturelle Baumaßnahmen wie Brunnen zur Wasserversorgung von Soldaten von vergangenen Auseinandersetzungen. Allerdings erschließt sich die Geschichte der Täler des Natisone nicht auf den ersten Blick. Nur wer genau hinsieht und mit Hintergrundwissen ausgestattet ist, kann die Spuren lesen und einordnen. Die Landschaft in den Tälern erzählt dabei nicht nur die Geschichten der Kriege und Konflikte, sondern auch von der Abwesenheit der Menschen. Dichte Wälder, Wiesen und Sträucher dominieren heute die über Jahrzehnte hinweg überwiegend durch Landwirtschaft kultivierte Region. Die Vegetation hat in den Jah- ren der Entvölkerung wieder viel Raum eingenommen, und stellt die dort lebenden Menschen täglich vor Herausforderungen. Der Umgang mit der Natur, der Nutzen und die Kontrolle der Landschaft sind hier relevant. Die natürliche, die materielle und kulturelle Beschaffenheit der Landschaft, das wird in den Schilderungen der Gesprächspartner deutlich, spielt für das Verständnis des Alltags der dort lebenden Menschen und für das Festival Stazione Topolò, wie später noch ausgeführt wird, eine zentrale Rolle. Durch das körperliche Erfahren und Begehen einer Landschaft in Form eines Spaziergangs oder einer Wanderung ist es möglich, ein Ver- ständnis der Landschaft und der ihr eingeschriebenen Geschichten zu entwickeln und sich zu dieser in Beziehung zu setzen. »Through walking, in short, landscapes are woven into life, and lives are woven into the landscape, in a process that is continuous and never-ending.« (Tilley, zitiert in Ingold 2004, 333). Diese enge Verknüpfung und Wechselwirkung zwischen Mensch und Landschaft, kulturellen Praktiken und Formen ist einer der Ausgangspunkte des Festivals und des Alltags vor Ort.
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Mobile Culture Studies The Journal, Band 4/2018
Titel
Mobile Culture Studies
Untertitel
The Journal
Band
4/2018
Herausgeber
Karl Franzens University Graz
Ort
Graz
Datum
2018
Sprache
deutsch, englisch
Lizenz
CC BY 4.0
Abmessungen
21.0 x 29.7 cm
Seiten
182
Kategorien
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